Flanderns Landesenergieministerin Zuhal Demir (N-VA) bittet die Elektrizitätsnetzwerke darum, die Zahl und die Lage der chinesischen Umformer von Solaranlagen aufzuzeigen. Sie reagiert damit auf VRT-Recherchen, nach denen China in der Lage sein soll, unser Stromnetz anzugreifen. Die meisten Umformer und Solaranlagen in Flandern (und nicht nur hier) sind chinesische Produkte, die digital gesteuert werden und somit „leichte Beute“ für eine Cyberattacke sein könnten.
Flandern ist besorgt: Kann China über digitale Umformer von Solaranlagen für Black Outs sorgen?
Die flämische Energieministerin bittet gleichzeitig auch die zuständigen belgischen Bundebehörden darum, eine entsprechende Risikoanalyse durchzuführen. China sei durchaus in der Lage, in Europa für Black Outs zu sorgen. Aus Recherchen von VRT NWS ist ersichtlich, dass dies an den digitalen Umformern liegt, die Solaranlagen steuern. Und rund drei Viertel dieser Anlagen sind Chinaimporte. In Europa betrifft dies also Millionen Solaranlagen, die eigentlich alle mit dem Internet verbunden sind.
Bei einem Cyberangriff könnte China durchaus diese Umformer abschalten und damit für Stromausfälle sorgen, wie VRT-Wissenschafts- und Energieredakteur Luc Pauwels herausgefunden hat: „Ein großangelegter Cyberangriff auf europäische Solaranlagen kann ein Zusammenbrechen des Stromnetzes verursachen. Und China kann solch einen Angriff technisch gesehen perfekt durchführen, so Experten. Solaranlagen werden immer öfter über das Internet mit sogenannten ‚intelligenten Umformern‘ gesteuert.“
Tatsache sei eben, so Pauwels, dass die meisten dieser Umformer in China hergestellt wurden: „An sonnigen Tagen produzieren diese Anlagen so viel Strom, wie mehrere große Kernreaktoren. Wenn China mit einem Cyberangriff einen Großteil dieser Umformer abschaltet, bekommen wir Black Outs.“
Wir hatten auch nicht gedacht, dass uns die Russen den Gashahn zudrehen. Warum sollte China so etwas nicht auch versuchen?“
Wiet Vande Velde, EnergyKing
China hat inzwischen fast ein Monopol auf Solarzellen, Solarpaneele und die entsprechenden Umformer. Weltweit hat das Land alleine rund 75 % des Marktes für solche Umformer in Händen und inzwischen mehren sich die Sorgen, dass das totalitäre Land dies auch strategisch nutzen kann.
Geert Deconinck, Professor für Stromnetze am Energyville-Institut der Universität Löwen (KU Leuven), bezweifelt zwar, dass es den Chinesen gelingen kann, zeitgleich massiv Umformer abschalten zu können, doch für unmöglich hält er so einen Versuch nicht. Doch auch Untersuchungen dieser Frage in Australien gehen davon aus, dass China zu so etwas nicht umfassend in der Lage ist.
Aber Wiet Vande Velde, Geschäftsführer des Solaranlagen-Unternehmens EnergyKing, bleibt hier vorsichtig: „Wir hatten auch nicht gedacht, dass uns die Russen den Gashahn zudrehen. Warum sollte China so etwas nicht auch versuchen?“
