Die belgische Bundesregierung stellt sich laut die Frage, ob sie die Zuschüsse für die Zustellung der Tageszeitungen weiter an die Post, Bpost, vergeben wird oder in Zukunft an die privatwirtschaftliche Konkurrenz weitergeben soll. Nach Bekanntwerden dieser Überlegungen sackte der Kurs von Bpost an der Börse nach unten.
Kurseinbruch bei Bpost: Verliert die belgische Post die Zustellung der Zeitungen?
Das Bundeswirtschaftsministerium hatte der Regierung dazu geraten, die Zustellung der Zeitungen für den Zeitraum 2024-2028 an die privatwirtschaftlichen Unternehmen PPP (aus Belgien) und Proximy (aus Frankreich) abzugeben und nicht mehr an die halbstaatliche Bpost. Der Vertrag für die Zeitungszustellung ist in Belgien mit Zuschüssen von 125 Mio. € verbunden.
Wenn die belgische Post diese Zustellung verliert, würde dies erhebliche Umsatzverluste mit sich bringen. Eigentlich bedeutet dies eine Umstrukturierung bei Bpost, wo rund 1.500 Beschäftigte alleine in der Zeitungszustellung arbeiten - die Gewerkschaften sprechen sogar von bis zu 4.500 Betroffenen.
Die belgische Bundesregierung gab an, vor dieser Entscheidung gelte es noch einige technische Fragen zu klären, wobei es um die Folgen für Bpost geht, falls der entsprechende und hochdotierte an die Konkurrenz vergeben wird.
Die Regierung wollte noch in dieser Woche eine Entscheidung treffen, doch diese wird angesichts eines drohenden sozialen Blutbads bei der Post und nach Beschwerden von Verlagen möglicherweise verschoben. Auch die zuständige Ministerin will absolut Entlassungen vermeiden.
Dubiose Vorgänge und Kurseinbruch
Bei Bpost hatte es in der jüngeren Vergangenheit Ermittlungen und Untersuchungen zu dubiosen Geschäftspraktiken gegeben. Diese betrafen auch und gerade die Verträge mit dem belgischen Staat. So soll die Post den Behörden überhöhte Unkosten in Rechnung gestellt haben. Und es steht der Verdacht im Raum, das Bpost mit Konkurrenzunternehmen Preisabsprachen getroffen habe, um den Vertrag zur Zustellung der Zeitungen behalten zu können. Im Zuge dessen musste Postchef Dirk Tirez seinen Posten räumen.
Am Montag brach der Aktienkurs von Bpost an der Brüsseler Euronext-Börse im Bel20-Index um 11,92 % ein. Grund dafür waren Meldungen der belgischen Wirtschaftszeitungen De Tijd und L’Echo bezüglich einer möglichen Vergabe der Zeitungszustellung an die mit der Post konkurrierenden Unternehmen Proximy und PPP.
Vor allem das belgische Unternehmen Proximy hat einen schlechten Ruf. Wie die flämische Tageszeitung De Morgen meldet, beklagen sich vor allem in Brüssel Kunden über eine schlechte Dienstleistung in Sachen Zustellung von Printmedien, die im Abo von PPP zugestellt werden. Von solchen Problemen berichtet auch Lapresse.be, der Dachverband der frankophonen Medienverlage in Belgien.
