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Die Skyline von Brüssel

Internationale Stadt Brüssel: Hier sind auch Spione unterwegs

Brüssel ist als belgische Hauptstadt, als Sitz zahlreicher EU-Institutionen und als wichtiger Standort für internationale Einrichtungen und Unternehmen spätestens seit dem Kalten Krieg ein Hotspot für Spione. In ihrer Big City-Reihe versucht die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ hier ein Licht drauf zu werfen.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Das Brüssel auch ein Hotspot für Spionage ist, mag alleine durch die Tatsache, dass hier alleine 143 internationale Einrichtungen ihren Sitz haben, nicht verwundern. Als 1967 das Hauptquartier der NATO von Paris nach Brüssel verlegt wurde, zogen neben Soldaten und Diplomaten auch die Spione nach hier um.

Vor allem zu Zeiten des Kalten Krieges wurde hier spioniert, was das Zeug hielt. Der Nachrichtendienst der DDR in Ostdeutschland „beschäftigte“ in der belgischen Hauptstadt über 130 Stasi-Mitarbeiter. Das waren mehr als die knapp 45 Agenten des russischen KGB und erst recht als die Handvoll Geheimdienstler der Tschechoslowakei, die hier ihre Schlapphüte aufgezogen hatten.

Und diese Spione scheuten es nicht wirklich zu versuchen, belgische Amts- und Würdenträger zu rekrutieren. Einer davon war offenbar der frühere Bürgermeister von Brüssel, Freddy Thielemans (PS) als dieser noch Kabinettchef eines seiner Vorgänger, Hervé Brouhon (PS) war. Nach mehreren Begegnungen im Zeitraum von 1986 bis 1989 stellte der tschechische Geheimdienst wohl fest, so BRUZZ, dass dieser für den Job nicht unbedingt geeignet war…

So mancher aber ließ sich rekrutieren. In den Augen der russischen Stasi war allerdings Guy Binet, Kolonel bei der belgischen Luftwaffe, für die Mitarbeit sehr geeignet. Kolonel Binet schmuggelte mittels einer Aktentasche mit doppeltem Boden geheime Informationen aus dem Gebäude der belgischen Armeeführung heraus.

Nach dem Fall der Mauer ging es munter weiter

Mit rund 300 diplomatischen und konsularischen Anlaufstellen sowie zahllosen Hauptsitzen von internationalen Unternehmen und Einrichtungen bleibt Brüssel auch nach dem Fall der Mauer ein wichtiges Ziel für die Spionage. Im Jahr 2003 entdeckten die Sicherheitsdienste in einer Mauer des Justus Lipsius-Gebäudes des Europäischen Rates 5 eingemauerte schwarze Kästen, die vollgestopft mit allerlei Abhörgeräten waren.

Wie viele Spione heute in der belgischen und europäischen Hauptstadt aktiv sein könnten, ist nicht wirklich bekannt. Fachleute schätzen, dass es „einige Hundert“ sind. Die meisten von ihnen operieren unter dem Deckmantel von Journalisten, Lobbyisten, Studierenden oder auch Diplomaten. Vor allem dieses Statut ist für die Spionage interessant, denn Diplomaten genießen im Prinzip eine gewisse Form der Immunität. Im Falle von Spionage kann ein Gastland - in diesem Fall Belgien - nicht viel mehr tun, als den Betreffenden des Landes zu verweisen.

Russischer Angriffskrieg auf die Ukraine

Im April 2022 erklärte Belgien angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine 21 russische Staatsbürger, darunter mehrere Diplomaten, zur Persona non grata. Die Antennen auf dem Dach der russischen Botschaft dienen nicht unbedingt nur dazu, Fernsehen zu schauen… Die hiesigen Behörden gehen davon aus, dass bis zu diesem Zeitpunkt etwa jeder dritte Mitarbeiter der russischen Botschaft geheimdienstlich tätig war.

Auch andere Nachrichtendienste sind in Brüssel aktiv. Die Geheimdienste der früheren belgischen Kolonien Ruanda und Kongo beobachten hier die Arbeit von Oppositionellen, die in Belgien Zuflucht gefunden. Und auch China hat in der belgischen und europäischen Hauptstadt überall Augen und Ohren. Davor warnten 2019 die Nachrichtendienste der Europäischen Union.

EU-Diplomaten wurden damals dazu aufgefordert, bei Besuchen in Cafés oder Restaurants diskret zu sein. Hier war offenbar ein bekanntes Steakrestaurant in der Nähe des Berlaymont-Gebäudes, dem Sitz der EU-Kommission, ein Hotspot, in dem jedes Eintauchen eines Stückchens Fleisch in die Bearnaisesauce genau registriert wurde…   

Das Brüsseler EU- und Regierungsviertel

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