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Inland
Justiz

Hafenarbeiter sprechen gegenüber VRT NWS über ihre Rolle im Drogenschmuggel im Antwerpener Hafen

Im VRT-Reportagemagazin „Pano“ sprechen vier Hafenarbeiter über ihre Rolle beim Kokainschmuggel im Hafen von Antwerpen. Sie zeichnen ein Bild von schnell verdientem Geld, von Gewalt und von Bedrohung. Die Antwerpener Polizei muss zugeben, nicht genügend Personal zur Verfügung zu haben, um alle entsprechenden Dossiers zu behandeln. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

„Wenn man einem sagt, dass man in 5 oder 10 Minuten 200.000 € verdienen kann, dann wird praktisch jeder weich“, erzählte ein Kranfahrer, der im Antwerpener Hafen Container bewegt, anonym gegenüber VRT NWS. Er, Dylan genannt, fuhr einen sogenannten Straddle Carrier (Foto oben), auch Elefant genannt. Damit werden Container bewegt, die gerade von Hochseefrachtern kommen. Mit solchen Straddle Carriers werden die Container zur Abholung durch LKW oder zur Beladung auf Züge sortiert.

Ohne solche Kranfahrer funktioniert der Drogenschmuggel im Hafen von Antwerpen nicht, so die anonymen Zeugen in „Pano“. Die Jobs sind einfach und damit ist schnelles Geld zu machen: „Man bekommt die Position eines Containers über ein Wegwerfhandy. Den Container muss man dann holen, zu einem bestimmten Ort bringen, wo ihn andere ihn leermachen.“ 

Einfach und doch gefährlich

Der Trick dabei ist, so die Zeugen, dass man diese Container aus Richtung Südamerika neben einen für Europa bestimmten Container stellt. Dort wird das Kokain dann umgeladen, weil die Polizei „europäische“ Container seltener kontrolliert. Das machen entweder andere Hafenarbeiter, die ebenfalls mit viel Geld von den Drogenbanden bezahlt werden, oder sogenannte „Kamikazes“, junge Leute, die in Lieferwagen in den Hafen geschleust werden. Der Dylan genannte Zeuge erzählte, dass er mit Summen von zunächst 20.000 bis 25.000 € gelockt worden sei, doch er habe zuletzt bis zu 200.000 € bekommen, doch „wenn man einmal mitgemacht hat, dann lassen sie einen nicht mehr los.“

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter) 

Solche Helfer werden bedroht, wenn sie nicht mehr mitmachen, z.B. mit Anschlägen auf ihre Wohnung, mit dem Hinweis, dass man weiß, wo die Kinder zur Schule gehen oder wo Frau oder Freundin arbeiten. Und auch die Risiken, erwischt zu werden, sind groß, denn überall im Hafen stehen Überwachungskameras (Foto). Die Zeugen von „Pano“ haben denn auch alle in Knast gesessen. 

Personalmangel bei der Polizei

Was können Polizei, Staatsanwaltschaft und Zoll dagegen unternehmen? In der letzten Zeit wurden zahlreiche Helfershelfer der Drogenbanden erwischt und enorme Mengen Kokain wurden beschlagnahmt. Doch Yves Driesen, Direktor der Antwerpener Polizei, können nicht alle Dossiers bis ins Detail untersucht werden, denn dazu fehlt das Personal: „Wir werden täglich mit neuen Fakten überschwemmt. Kriminelle, die im Hafen festgenommen werden. Beschlagnahmungen. Drohungen, auf die wir reagieren müssen.“

Dies koste viel Zeit und Personal, über das man nicht verfüge, so Driesen: „Wenn man dann interessante Informationen bekommt, muss man die auf den Stapel legen. Und doch sind das oft Dossiers, die uns höher in die kriminellen Kreise bringen können.“ Man brauche derzeit mindestens die doppelte Personalstärke wie heute so Driesen. Dem muss der Brüsseler Untersuchungsrichter Michel Claise beipflichten: „Auch wir brauchen mehr Personal und Mittel.“

„Pano: Der ungleiche Kampf“ ist am Mittwoch, den 15. November um 21 Uhr 40 im ersten Programm VRT 1 zu sehen. VRT NWS und die Pano-Redaktion arbeiteten für diese Reportage eng mit den Kollegen der Tageszeitung Gazet van Antwerpen zusammen.  

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