Nicht nur in Belgien, sondern auch in Deutschland freuen sich die Energieversorger und die Politik darüber, dass die Gasspeicher und -reserven vor dem kommenden Winter reichlich gefüllt sind. Doch die Sache hat einen bitteren Nachgeschmack. Denn noch immer kommt russisches Gas im Hafen von Zeebrügge an, wie nicht zuletzt aus aktuellen Zahlen des Thinktanks „Institute for Energy Economics an Financial Analysis“ ersichtlich ist.
Ob Krieg oder Sanktionen, noch immer kommt Gas aus Russland in Zeebrügge an
Laut diesem Thinktank sind dieses Jahr zwischen Januar und September gut 5,73 Milliarden Kubikmeter russisches LNG im Gasterminal des Hafens von Zeebrügge verarbeitet worden. Das ist etwas mehr als die Menge, die hier im Vergleichszeitraum 2022 angekommen ist.
Damit bestätigt sich die Rolle des Hafens von Zeebrügge (Teil des Fusionshafens Port of Antwerp-Bruges) als Drehscheibe für russisches Flüssiggas (LNG). Vor einigen Jahren wurde dazu ein 20 Jahre laufender Vertrag über ein Volumen von 1 Mia. Euro mit der russischen Firma Yamal LNG unterzeichnet, über den Flüssiggas aus Sibirien mit speziellen Eisbrecher-Tankern in den belgischen Nordseehafen transportiert wird.
Ein Teil dieses LNG-Flüssiggases ist für Europa bestimmt, denn hier wird nach anderen Beförderungswegen gesucht, seit die Gaspipelines zwischen Russland und Europa seit dem russischen Angriffskrieges auf die Ukraine aus Boykottgründen abgedreht wurden. Der Rest des Gases wird am LNG-Terminal von Zeebrügge auf konventionelle Tankschiffe umgeladen, um von hier aus nach China oder Japan weitertransportiert zu werden.
Und in Belgien?
Zwischen Januar und September 2023 wurden 3,14 Milliarden Kubikmeter russisches LNG in das eigene belgische Gasnetz gepumpt. Das ist mehr als das, was auf diesem Wege 2022 ins hiesige Netz geleitet wurde (2,83 Mia. Kubikmeter), wie auch die flämische Tageszeitung De Morgen dazu schrieb. Und von hier aus geht dieses Gas in die Nachbarländer weiter, u.a. auch nach Deutschland.
Inzwischen laufen ukrainische und belgische NGO’s gegen diese Entwicklung Sturm und kritisieren die Haltung Belgiens in dieser Frage. Für die Ukraine ist es unverständlich, dass es noch kein Verbot für diesen Handel oder noch keinen Boykott für die LNG-Drehscheibe für russische Produkte in Zeebrügge gibt.
Interessant ist hier, dass diese Verbände nicht unbedingt gegen das russische Gas sind, das nach Europa kommt. Sie richten sich eher gegen das Umladen von diesem Gas, um es weiter nach Asien bzw. in Länder außerhalb der Europäischen Union zu exportieren. Sie zeigen so Verständnis für die Versorgungsängste in Europa…
