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Inland
Justiz

NarcoFiles: Belgien bleibt eine wichtige Drehscheibe für den Kokainschmuggel nach Europa

Ein neuer internationaler Datenleck-Skandal in Kolumbien unterstreicht einmal mehr die Tatsache, dass Belgien im weltweiten Drogenschmuggel nach wir vor eine wichtige Rolle spielt. Und diese Rolle ist offenbar bedeutender, als bisher angenommen, wie die neuen NarcFiles zeigen.

Andreas Kockartz
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Narcofiles wird ein neuer Datenleck-Skandal genannt, bei dem der Emailverkehr der Staatsanwaltschaft in Kolumbien gehackt wurde. Hier wurden mehrere Millionen Emails frei und von einem internationalen Konsortium von investigativen Journalisten ausgewertet. Dazu gehören auch Redakteure des flämischen Wochenmagazins Knack und der Wirtschaftszeitung De Tijd. Insgesamt arbeiteten rund 40 internationale Medien hierbei im Rahmen des Organised Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP)  zusammen. Das Projekt wurde vom Centro Latinoamericano de Investigación Periodística (CLIP) begleitet.

Aus den dadurch öffentlich gewordenen Angaben wird deutlich, dass Belgien nicht nur im Drogen- bzw. Kokainschmuggel eine wichtige Drehscheibe ist, sondern auch bei der Herstellung von Kokain bzw. bei der Weiterverarbeitung und Portionierung von Rohkokain oder Kokainpaste.

Europol beobachtet nicht erst seit gestern, dass Belgien in der Kokain-Herstellung eine wichtige Rolle spielt. Ein kürzlich ausgehobenes Drogenlabor in Marcinelle bei Charleroi (Hennegau), im dem eine Tonne Kokain pro Monat verfeinert werden konnte, unterstreicht dies. 

Reaktion auf die Erfolge von Polizei und Zoll

Dass die internationalen Drogenbanden versuchen, in Europa zu produzieren, ist auch auf die Erfolge von Zoll und Polizei zurückzuführen. Die Drogenfahndung im Hafen von Antwerpen stellt vor allem in letzter Zeit sehr oft riesige Mengen Kokain in Containern aus Richtung Süd- und Mittelamerika sicher, z.B. aus Kolumbien oder aus El Salvador. Und Versuche, der hiesigen Filialen der Drogenorganisationen, sichergestelltes Kokain zurückzubekommen, scheiterten jüngst in Antwerpen. 

Belgiens nationale Drogenkommissarin Ine Van Wymersch fordert inzwischen eine Beschleunigung der Vernichtung bzw. Verbrennung von beschlagnahmten Drogen. Sie äußerte zudem die Idee, bei zu großen Mengen Kokain zu versuchen, dieses durch die Zugabe von chemischen Mitteln vor der Vernichtung unschädlich zu machen, damit die Gefahr sinkt, dass Kriminelle versuchen, sich dieses wieder zu sichern.

„Wir stellen fest, dass wir früher Mengen beschlagnahmten, die von den Drogenbanden als Verlust berechnet werden konnten. Inzwischen sind die Mengen der heute beschlagnahmten Drogen so groß, dass sie nicht mehr zum berechneten Risiko gehören, so Van Wymersch gegenüber VRT NWS: „Wenn wir beobachten, dass die kriminellen Organisationen ein eine neue Phase gehen, dann müssen wir auch in diese neue Phase gehen.“  

Schwierigere Ermittlungen?

Die NarcoFiles sorgen allerdings für eine gewisse Ernüchterung bei den Drogenfahndern in Europa. Bisher wurde im Allgemeinen angenommen, dass der internationale Drogenhandel in Händen einiger weniger Kartelle ist.

Doch weitgefehlt: Aus den Daten der kolumbianischen Staatsanwaltschaft ist ersichtlich, dass die Zahl der kriminellen Organisationen, die Drogen schmuggeln, recht groß ist und dass sich deren Strukturen stetig ändern.

So fällt es den Drogenfahndern und der Ermittlern immer schwerer, hier einen Durchblick zu finden. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich Drogenbanden, die sich früher bis aufs Blut bekämpften, heute zusammenarbeiten, um sich gegen neue Banden zu wappnen. 

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