Der Brüsseler Südbahnhof wird in Französisch "Bruxelles-Midi" oder auch "Gare du Midi" genannt, während er in Niederländisch "Brussel-Zuid" heißt. Warum ist das so? Und warum gibt es in Brüssel keinen Ostbahnhof? Ein Blick in die Geschichte der Bahnhöfe in der belgischen Hauptstadt.
Warum hat der internationale Bahnhof der Hauptstadt Brüssel zwei Namen?
Für die Tatsache, dass der Brüsseler Südbahnhof zwei Namen oder Bezeichnungen hat, gibt es mehrere mögliche Erklärungen. Eine dieser Erklärungen könnte sein, dass die erste Bahnstrecke bzw. Eisenbahngesellschaft, die diesen Bahnhof anfuhr, diesen Namen trug: Chemin de Fer du Midi. Diese Gesellschaft gehörte zur Compagnie du Nord-Belge, die wiederum zur französischen Compagnie du Nord gehörte.
Eine weitere Erklärung könnte sein, dass man auch in Brüssel bestimmte Bahnhöfe nach den Orten benannte, wohin die Züge fuhren. Seit etwa 1840 fuhren Nachtzüge vom Südbahnhof ausgehend nach Südfrankreich, sprich in die dort „Le Midi“ genannte Region, wohin heute TGV-Züge ab Brüssel Zuid/Midi fahren.
Heute hat der französischsprachige Begriff „Bruxelles-Sud“ übrigens eine völlig andere Bedeutung. Paradoxerweise wird der Charterflughafen von Charleroi (Provinz Hennegau) „Brussels South Charleroi Airport“ genannt… Und die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB nennt diesen Bahnhof in Deutsch inzwischen offiziell „Brüssel-Midi“.
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Viele Vorgänger
Der heutige Südbahnhof ist bereits der vierte Bahnhof an dieser Stelle. Der erste Bahnhof im Süden Brüssels war der 1840 eröffnete Bogaerden-Bahnhof, der etwas entfernt davon am Rouppe-Platz lag. Doch dieser war schnell zu klein und so wurde 1896 der monumentale von Architekt Auguste Payen im Stile der Neoklassik gebaute Bahnhof etwa zwischen dem Rouppe-Platz und dem heutigen Südbahnhof eröffnet. Als dann 1949 die das Stadtzentrum unterfahrende Nord-Südverbindung eröffnet wurde, kam der heutige Südbahnhof, der allerdings seit dem einige Umbauten erlebte.
1990 wurde der Bahnhof endgültig modernisiert und als Drehkreuz für den internationalen Hochgeschwindigkeitsverkehr (Thalys, ICE, Eurostar, TGV) ausgebaut. Dadurch ist dieser Bahnhof (u.a. durch sein Eurostar-Terminal für den Englandverkehr) zum wichtigsten Bahnhof des Landes geworden.
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Nordbahnhof, Westbahnhof, Südbahnhof… aber kein Ostbahnhof
Neben dem hier beschriebenen Südbahnhof hat Brüssel auch noch den Nordbahnhof und einen Westbahnhof für S-Bahnzüge mit direktem Metro-Anschluss in der Gemeinde Molenbeek. Doch einen Ostbahnhof, der auch so genannt wird, gibt es nicht. Wirklich nicht?
1865 hielten in einem kleinen Bahnhof an der Wetstraat/rue de la Loi die ersten Züge, doch es sollte bis 1879 dauern, bis dort auch ein passendes Gebäude stand. Hier stiegen die Reisenden aus, die zum Jubelpark wollten. Diese bescheidene Station wurde Brussel-Wetstraat genannt, aber auch manchmal Brüssel-Ost. Doch diese Bezeichnung wurde niemals offiziell.
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Brüssel-Luxemburg
Vielleicht hätte diese Bezeichnung für Verwirrung gesorgt, nicht zuletzt auch, weil es in wenig Entfernung schon den größeren Bahnhof Brüssel-Luxemburg gab (mit Zügen in Richtung Luxemburg), der auch eine Zeit lang Brüssel-Leopoldsviertel genannt wurde (Brussel-Leopoldswijk/Bruxelles-Quartier Léopold).
Heute ist der Bahnhof Brüssel-Luxemburg ein wichtiger Umsteigebahnhof zwischen der Bahn und den Bussen und Bahnen der regionalen Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB mitten im Europaviertel.
