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Unsicherheit in der Stickstoff-Frage? 420.000 Schweine weniger alleine in Flandern

Die Unsicherheit im Stickstoff-Dossier ist vermutlich mitverantwortlich dafür, dass sich der Schweinebestand in der Landwirtschaft in den vergangenen Monaten deutlich verringert hat. Laut Zahlen des belgischen Statistikamtes Statbel gab es in unserem Land im Mai dieses Jahres 428.502 Schweine weniger als vor einem Jahr. Der Löwenanteil dieses Rückgangs um 7,3 % davon entfällt auf Flandern. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Der fast vollständige Rückgang des Schweinebestandes in Belgien entfällt auf Flandern, wo zwischen Mai 2022 und 2023 418.607 Tiere weniger Registriert wurden. Dieser Rückgang um 7,6 % lässt den flämischen Schweinebestand auf 5,076 Millionen Tiere sinken.

Dieser Rückgang ist laut Statbel sowohl bei den Mastschweinen, als auch bei den Zuchtschweinen zu sehen. In der Wallonie ging der Schweinebestand im gleichen Zeitraum um rund 10.000 Tiere, sprich um 2,8 % auf 342.129 Tiere zurück.

Statbel führt dies auf zwei Probleme zurück. Auf der einen Seite hat dies im belgischen Bundesland Flandern mit der Verschärfung der Regelung zum Stickstoffausstoß in der Landwirtschaft zu tun, was in Zusammenhang mit der Verringerung des CO2-Ausstoßes zum Klimaschutz zu verstehen ist. Andererseits ist es inzwischen schwieriger geworden, Schweinefleisch nach Asien zu exportieren. 

Hintergrund: Das flämische Stickstoffabkommen

Beim im Februar dieses Jahres von der flämischen Landesregierung beschlossenen Abkommen zum Thema Stickstoff (das vor einigen Wochen von belgischen Staatsrat verworfen wurde) handelt es sich um den Versuch, den Ausstoß dieses Stoffs zu verringern. Ammoniak ist z.B. eine schädliche Form von Stickstoff und dieses entsteht in der Geflügel- und Schweinezucht. Doch auch der Straßenverkehr stößt Stickstoff über Benzin und Diesel aus. Nicht zuletzt gehört auch die Verbrennung von Gas und Öl zum Heizen Stickstoff aus.

Und dieser Stickstoff fällt aus der Luft wieder auf die Erde zurück und kann zu Gesundheitsschäden führen. Zudem stört er die Biodiversität in der Tier- und Pflanzenwelt. Die Industrie führte in Flandern in letzter Zeit massiv Investitionen in Filteranlagen durch und auch die Autoindustrie sucht nach Innovationen (Stichwort Elektromobilität).

Doch in der Landwirtschaft sind Lösungen viel schwieriger zu finden. In dieser Frage hat die flämische Landesregierung beschlossen, dass der Schweinebestand bis 2030 um 30 % verkleinert werden muss und dass Landwirte, die Betriebe führen, die enorm umweltschädlich arbeiten, kompensiert werden oder dass ihre Bauernhöfe und Ländereien mit Mitteln aus der Landeskasse erworben werden.

Das ist bis 2025 für aktuell 40 Betriebe der Fall und bis zu 120 weitere landwirtschaftliche Unternehmen müssen sich (entschädigt) anpassen oder können freiwillig (entschädigt) aufgeben. Dafür hat die Landesregierung im vorliegenden Abkommen 3,6 Mia. € vorgesehen.

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