Fast jeder dritte selbständig geführte Supermarkt in Belgien fährt Verluste ein. Dies war 2022 in 27,9 % dieser Märkte der Fall, wie die flämische Wirtschaftszeitung am Freitag meldet. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 2019, wo dies 18 % der Franchisemärkte betraf. Diese Zahlen stammen aus einer Analyse der Jahresabrechnung von 252 Supermärkten, die der Selbständigen-Verband Unizo in Auftrag gegeben hatte.
Jeder dritte franchisegeführte Supermarkt in Belgien macht Verlust
Die Zahlen des Forschungsbüros Serunt zeigen einmal mehr, dass es im Retailsektor auch 2022 nicht wirklich gut lief. Rund 11 % der selbständigen Märkte ist es letztes Jahr nicht gelungen, die steigenden Preise für Energie und die höheren Löhne und Gehälter zu kompensieren und auf ihre Verkaufspreise draufzurechnen.
Dies liegt aber auch an der scharfen Konkurrenz der Discounter, die Preisaufschläge in den anderen Märkten kaum zulassen. In Flandern nimmt die Zahl der Discounter weiter zu, im Besondern mit Neueröffnungen von Filialen von Albert Heijn, Jumbo und Intermarché.
Zudem gibt es statistisch gesehen 3,08 Supermärkte für 100.000 Einwohner in Belgien, so Unizo. Das ist die höchste Pro-Kopf-Zahl an Supermärkten in ganz Europa. Diese Konkurrenz ist vielleicht für die Verbraucher ein Segen, doch den Betreibern bringt dies mehr und mehr Sorgenfalten auf die Stirn.
An Auflagen der Ketten und Gruppen gebunden
Selbständige Betreiber von Supermärkten, die zu Warenhausgruppen gehören, können ihre Preise zudem nicht nach eigenem Gutdünken gestalten. Sie sind an die Preispolitik ihrer Ketten gebunden.
Gruppen, wie z.B. die niederländischen Ketten Albert Heijn und Jumbo, schreiben oft maximale Preise vor und dem schließen sich die belgischen Gruppen Delhaize (die zur Albert Heijn-Gruppe gehört) und Carrefour jetzt auch immer mehr an.
Selbständig in Franchise geführte Supermärkte verbuchten im vergangenen Jahr rund 106.000 € Gewinn. Das ist fast die Hälfte weniger, als 2021 und sehr viel weniger als 2020. Das waren allerdings für den Retail-Sektor in Belgien Spitzenjahre, denn durch Corona kauften die Verbraucher viel öfter in den kleinen Supermärkten in ihrer Nachbarschaft oder direkten Umgebung ein.
