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Die Brüsseler Gemeinde Anderlecht war einst ein wichtiger Textil-Standort

Textil war jahrhundertelang ein wichtiger Exportartikel aus Belgien. In ihrer Big City-Reihe versucht die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ herauszufinden, warum gerade so viele Textilfabriken in Anderlecht zu finden waren. Wo heute „Made in China“ steht, könnte gut und gerne heute „Made in Kuregem“ stehen, das Anderlechter Viertel, in dem früher die Fabriken standen. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Schon im Laufe der Entstehung Brüssels ließen sich Firmen aus de Textilbereich in der Gegend des heutigen Anderlecht nieder und zwar entlang der Ufer der Zenne. Dieser Wasserlauf ermöglichte damals nicht nur den Transport der Tuche, sondern sorgte auch dafür, dass die wasserintensive Herstellung von Textilgütern gewährleistet werden konnte. So wie an allen anderen Textilstandorten in Europa damals auch, ließ sich die Tuchindustrie an Flüssen nieder.

Eine bedeutsame Blüte erlebte die Tuchmacherindustrie in Brüssel, als der Hof der Burgunder hier im 14. Jahrhundert ein Zuhause fand. Die Burgunder waren reich und brauchten Luxus und dadurch boomte seinerzeit neben der Textilindustrie auch die Produktion von Wandteppichen aus Brüsseler Seide. Im Laufe der Jahrhunderte also gehörte dieser Industriezweig quasi zur DNA Brüssels, wie BRUZZ dazu schreibt, vor allem entlang der Zenne, die durch die Metropole mäanderte. 

Energie und Industrie

Die Mühlen am Ufer der Zenne sorgten für Energie und Wasserkraft und Wasser wurde zur Produktion gebraucht. Davor webten viele Arbeiterinnen und Arbeiter die Tuche auf kleinen Webstühlen zu Hause, doch im Zuge der Industrialisierung wurden die Maschinen größer und größer und ab etwa dem 19. Jahrhundert entstanden vor allem im Anderlechter Ortsteil Kuregem zahlreiche Fabriken.

Dort fand man damals auch die sogenannten „Indienneries“, Fabriken, in denen Wolle bedruckt wurden. Das war eine Tradition, die tatsächlich aus Indien kam. Für diese Fabrikationsprozesse brauchte mal seinerzeit feuchte Böden und die gab es im morastigen Brüssel an den Ufern der Zenne in ausreichender Zahl.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Die Markthalle des alten Schlachthofs von Anderlecht

Alles, was mit Wolle, Tuch und Textil zu tun hatte

Nach und nach ließen sich hier auch andere Unternehmen nieder, die mit Stoffen und Textil zu tun hatten: Hutmacher, die Felle aus dem nahegelegenen Schlachthof nutzen konnten, Gerbereien und Lederfabriken aus den gleichen Gründen sowie Bleicheren, Webereien und Schneidereien. In der Gegend um Kuregem wurden auch die Transportwege immer interessanter, sprich die Eisenbahn und der Kanal zwischen Charleroi, Brüssel und Antwerpen.

Die Zahl der Arbeitskräfte dort war enorm, denn diese Industrie gehörte zu den wichtigsten Wirtschaftsstandorten Brüssels und dies bis ins 20. Jahrhundert hinein, sprich bis in die Nachkriegszeit. Aber, die Untertunnelung der Zenne und vor allem die Konkurrenz aus den Billigländern sowie die enorme Nachfrage durch den aufkommenden Massenkonsum sorgten dafür, dass der Standort Anderlecht/Kuregem nicht mehr mithalten konnte. Textil aus Brüssel war bald Geschichte und demnach gibt es heute auch kein Label „Made in Kuregem“ im Kragen der Klamotten… 

Die Untertunnelung der Zenne war der Anfang vom Ende

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