Dass einige Lager des belgischen Zolls z.B. in Antwerpen große Mengen von beschlagnahmtem Kokain beinhalten, ist ebenso wenig neu, wie die Tatsache, dass sich die Vernichtung davon in die Länge zieht. Inzwischen befürchten die Gewerkschaften von Zoll und Polizei auch ein Sicherheitsproblem. Diese Woche wurden einige Niederländer von der Polizei gestellt, die verdächtigt werden, sich eine beschlagnahmte Ladung Kokain zu sichern…
Zu viel beschlagnahmtes Kokain: Verbrennungsöfen kommen nicht nach - Sicherheitsproblem durch Kriminelle?
Alleine 2022 hatte der belgische Zoll rund 110 Tonnen Kokain beschlagnahmen können, ein Rekord. Möglicherweise wird dieser Rekord in diesem Jahr noch gebrochen. In der ersten Jahreshälfte 2023 wurden bereits rund 43 Tonnen sichergestellt, vor allem im Hafen von Antwerpen.
Doch die Vernichtung dieser Drogen zieht sich hin, zumal Kokain nur langsam verbrennt. Eine spezielle Verbrennungsanlage kann in einem Vorgang nur etwa 1 Tonne in anderthalb Tagen vernichten. Angesichts der hier genannten Mengen an beschlagnahmtem Kokain kann man sich vorstellen, dass die Zoll-Lager bis zum Rand gefüllt sind…
Alarmglocken
Jetzt läuten der Zoll und die Polizei von Antwerpen die Alarmglocken, denn sie befürchten ein Sicherheitsproblem. In der Nacht zum Mittwoch nahm die Bundespolizei von Antwerpen sieben bewaffnete Niederländer fest, die wohl vor hatten, sich eine ihrer beschlagnahmten Lieferungen zu sichern oder mehr.
Zwar investierten der Zoll und das übergeordnete Bundesfinanzministerium Mittel in sichere Lager, doch die Gewerkschaften der Zöllner und der Polizei sind trotzdem beunruhigt.
Die christliche Gewerkschaft ACV stellt bei den betroffenen ein Gefühl der Unsicherheit fest, vor allem dann, wenn eine Ladung Kokain vom Zoll-Lager zum speziellen Verbrennungsofen der flämischen Abfallgesellschaft OVAM, INDAVER, bei Antwerpen transportiert werden muss. Der spezielle Ofen wird für die Vernichtung von gefährlichen Stoffen genutzt und es gibt ja in dieser Hinsicht in Belgien nicht nur Kokain.
Gespräche, Versprechen und Sorgen
Noch am Mittwoch, nach Bekanntwerden der Verhaftung der verdächtigen Niederländer, trafen sich Vertreter von Zoll und Finanzministerium mit den Gewerkschaften. Dabei wurden laut ACV einige Maßnahmen und Anpassungen zugesagt, doch die Gewerkschaften fordern langfristige und strukturelle Lösungen, um die Sicherheitsprobleme beim Zoll zu lösen, die u.a. auch auf Personalmangel zurückzuführen sind.
ACV-Gewerkschaftler Johan Lippens sagte gegenüber VRT NWS dazu: „Einige Zöllner werden vom kriminellen Milieu beschattet und beobachtet. Sie fühlen sich wie eine Zielscheibe und haben Angst vor einem Überfall auf einen dieser Transporte. (…) Die Regierung setzt voll auf das Scannen von Containern und das bedeutet, dass mehr gefunden wird. Also erwarten wir, dass dann auch mehr Budget für die Sicherung von Transporten kommt und dass es bald mehr psychologischen Beistand für Zöllner gibt.“

