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Weil Palästina vor 100 Jahren kein belgisches Mandatsgebiet wurde, mussten verschiedene deutsche Gemeinden nach Belgien

Das britische Mandatsgebiet Palästina wäre nach dem ersten Weltkrieg beinahe ein belgisches Mandatsgebiet geworden. Wäre die Geschichte damals ein wenig anders verlaufen, wäre der Konflikt zwischen Israel und der Hamas für Belgien heute noch komplexer. Georgi Verbeeck, Geschichtsprofessor an der KU Leuven und der Universität Maastricht, erinnert an diese vergessene Geschichte.

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Um die Geschichte zu erzählen, müssen wir ins frühe 20. Jahrhundert zurückgehen. "Palästina, das heutige Israel, wurde von den Türken regiert und war Teil des Osmanischen Reiches", sagt Verbeeck. "Die Türkei war im ersten Weltkrieg ein Verbündeter Deutschlands, und so befanden sich die Alliierten auch mit der Türkei im Krieg. Das hatte alles mit der Aussicht zu tun, Teile der von der Türkei beherrschten Gebiete zu übernehmen, wenn das türkische Reich besiegt würde. Daran waren vor allem die Franzosen und Engländer interessiert."

Gottfried von Bouillon

Aber auch die Belgier meldeten sich zu Wort. "Sie glaubten, sie könnten historische Rechte auf Palästina beanspruchen. Dafür ging man im Grunde bis ins Mittelalter zurück. Man erinnerte sich an Gottfried von Bouillon, „belgischer“ Kreuzritter im 11. Jahrhundert. Einige sahen in König Albert einen würdigen Nachfolger von Gottfried von Bouillon, als Schutzherr von Palästina oder Schutzherr der heiligen Stätten in Palästina."

"Was wirklich eine Rolle spielte, waren politische Überlegungen", weiß Verbeeck. "Belgien dachte, es müsste für seine Opferrolle im Ersten Weltkrieg entschädigt werden. Außerdem war es die Zeit des Kolonialismus: Eine Entschädigung konnte einen kolonialen Landbesitz oder etwas Ähnliches bedeuten.“

„Auch religiöse oder kirchliche Argumente spielten eine Rolle. Belgien sah sich als katholische Nation in einer guten Position, um eine Form der Verwaltung dieser heiligen Stätten zu übernehmen. Wenn schon nicht Palästina, so doch zumindest einige andere Gebiete, und natürlich insbesondere Jerusalem.“

Es gab auch wirtschaftspolitisch und finanzielle Überlegungen. "Man war damals ständig auf der Suche nach einem Exportmarkt für belgische Exporte."

Keine Unterstützung für Belgien

Aber Palästina ein belgisches Mandatsgebiet, soweit kam es dann doch nicht. "Die Pläne blieben eher vage und vor allem wurden sie international nicht unterstützt", sagt Verbeeck. "1917, gegen Ende des Ersten Weltkriegs, war klar, dass die belgischen Pläne nicht aufgehen würden, denn zu diesem Zeitpunkt war Palästina bereits von den Briten besetzt. Die anderen Alliierten machten sehr schnell deutlich, dass sie von diesen belgischen Annexionsträumen absolut nichts wissen wollten."

"Als es nach dem Ersten Weltkrieg zu den Friedensverträgen in Paris kam, machte sich die belgische Delegation offenbar auch noch so unausstehlich, dass sie den Briten, Franzosen und Amerikanern langsam auf die Nerven ging. Und als dann 1920 und 1923 der endgültige Frieden mit der Türkei geschlossen wurde, war es ganz klar, dass die internationale Gemeinschaft und vor allem die einflussreichsten Alliierten kein Ohr für die belgischen Forderungen hatten."

Das deutschsprachige Ostbelgien

Hat Belgien also stattdessen etwas anderes bekommen? "Als klar wurde, dass der Palästina-Plan fallen gelassen wurde, konzentrierte man sich in Belgien sehr nachdrücklich auf das, was in den Augen der damaligen belgischen Regierung wirklich wichtig war: echte Annexionspläne. Zum Nachteil der Niederlande, zum Nachteil von Deutschland und zum Nachteil von Luxemburg. Die Niederlande und Luxemburg blieben letztendlich verschont, aber ein kleines Stück von Deutschland (westlich von Aachen und Trier) wurde von Belgien annektiert. Das ist das, was wir heute die Ostkantone oder das deutschsprachige Gebiet in Ostbelgien nennen."

"Es gab auch eine kleine Grenzkorrektur in Zentralafrika, wo sich heute Ruanda und Burundi befinden. Das war damals Teil einer größeren deutschen Kolonie und wurde eigentlich den belgischen Kolonien zugeschlagen. Technisch gesehen war es aber nicht ganz so: Die Länder wurden ein belgisches Mandatsgebiet, also ein Gebiet, das Belgien im Namen des Völkerbundes verwalten durfte."

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