Nach den terroristischen Anschlag auf schwedische Fußballfans am Montagabend in Brüssel stellt sich auch die Frage, wie eine Person mit gewalttätigen Motiven an eine Kriegswaffe kommen kann. Nils Duquet (Foto), Waffenexperte und Direktor des Flämischen Friedensinstituts sagte dazu gegenüber VRT NWS, dass die Bekämpfung des illegalen Waffenhandels in unserem Land keine Priorität genieße.
Terroranschlag in Brüssel: "In Belgien ist der Kampf gegen den illegalen Waffenhandel keine Priorität"
Sicher ist, dass der Attentäter von Brüssel seine Waffe als illegal in Belgien lebende Person nicht auf dem legalen Weg erwerben konnte. Aber, in Belgien gibt es einen kriminellen Markt für Waffen bzw. für Kriegswaffen. „Die Waffe, die der Täter nutzte, ist eine AR-15, ein automatisches oder zumindest halbautomatisches Sturmgewehr. Davon gibt es viele Varianten, es ist also noch nicht deutlich, um welche Version es sich hier handelt“, so Nils Duquet.
Solche Waffen sind bei Terroristen „sehr beliebt“, denn damit kann man in kürzester Zeit viele Menschen verletzen oder töten, „doch es fällt auf, dass der Täter an eine solche Waffe kommen konnte, denn diese kommen auch auf dem illegalen Markt in Belgien nicht oft vor.“
Kaum Angaben oder Statistiken
Das große Problem ist in Belgien laut Nils Duquet, dass niemand weiß, wie viele illegale Waffen es im Land geben könnte: „Eigentlich weiß die Polizei nicht einmal, wie viele Waffen sie jährlich in welchem Kontext genau beschlagnahmt.“
Sicher ist nur, dass die Zahl der illegalen Waffen in Belgien deutlich gestiegen ist und dies vor allem in den größeren Städten, wie z.B. Brüssel, Antwerpen oder Lüttich: „Durch den Drogenhandel herrscht hohe Nachfrage nach solchen Waffen.“ Ein Großteil der illegalen Waffen und Kriegswaffen, die in Belgien vorkommen, stammen offenbar aus dem ehemaligen Jugoslawien, von wo aus sie seit dem Bürgerkrieg vor mehr als 20 Jahren immer noch in Umlauf sind und auch nach Belgien geschmuggelt werden.
Doch es kommen auch gestohlene Waffen aus z.B. privaten Sammlungen vor, die heute sogar mit Teilen aus dem 3D-Drucker wieder schießfähig gemacht werden können.
Wie geht Belgien gegen den illegalen Waffenhandel vor?
„Das ist in Belgien keine Priorität“, so der Direktor des Flämischen Friedensinstituts: „In Europa wird immer mehr auf Zusammenarbeit gesetzt, doch in Belgien nicht. Das sieht man im Umgang mit den Dossiers.“ Bei einer Razzia gegen Drogenhändler wird hierzulande offenbar beschlagnahmten Drogen mehr Aufmerksamkeit gewidmet, als den dabei ebenfalls gefundenen Waffen: „Bei den Drogen untersucht man, woher sie kommen, doch bei den Waffen ermittelt man weniger.“
Das liegt daran, so Duquet, dass die zuständigen Stellen kaum Schlagkraft haben: „Hier gibt es zu wenig Leute, zu wenig Mittel und zu wenig Unterstützung bei Initiativen, wodurch diese Beamten auch die lokale Polizei kaum unterstützen können. Das ist ein weißer Fleck.“
