Der schwedische Regierungschef Ulf Kristersson (Foto) hat am Mittwoch an der Gedenkzeremonie für die beiden Opfer des Terroranschlags in Brüssel teilgenommen. Die Zeremonie fand dort statt - am Sainctelette-Platz vor dem Eingang des flämischen Wohnfonds, wo ein islamistischer Terrorist am Montagabend zwei schwedische Fußballfans erschossen und einen weiteren schwer verletzt hatte. Die Opfer waren wohl auf dem Weg zum König-Baudouin-Stadion, wo Schweden auf die belgischen Toten Teufel in einem EM-Qualifikationsspiel trafen.
Schwedens Premierminister zu Gast bei de Zeremonie für die Opfer des Anschlags in Brüssel
Neben Schwedens Premierminister Kristersson und einer Delegation aus dessen Land waren auch zahlreiche Vertreter der Regierungen aus Bund, Ländern und Regionen bei der Zeremonie zugegen. Dabei wurden Kränze und Blumengestecke niedergelegt. Nach einer Schweigeminute erklangen zurückhaltende Klänge eines Cellisten am Ort des Geschehens.
Kristersson hatte nach dem Anschlag auf Landsleute in Brüssel am Montag die Bevölkerung seines Landes eindringlich gewarnt, dass Gefahr im Ausland drohe. Viele schwedische Medienvertreter waren vor Ort, denn für das Heimatland von Premier Kristersson ist es wichtig, dass er sich hier zeigte. Diese Botschaft ist bedeutend, denn Schweden ist durch diesen Anschlag schockiert. Mats Larsson, Journalist der schwedischen Tageszeitung Expressen schrieb: "Jemand, der das blau-gelbe Shirt der schwedischen Fußballmannschaft bei Auswärtsspielen trägt, riskiert zu sterben, wenn die Begegnung im verkehrten Land stattfindet."
In Schweden selbst ist die Terrorwarnstufe im August nach einer Reihe von Koranverbrennungen auf die zweithöchste Stufe des Landes angehoben worden. Der Täter, der 45 Jahre alte Tunesier Abdessalem Lassoued, hatte sich übrigens zwischen 2012 und 2014 in Schweden aufgehalten, wo er auch wegen Drogendelikten im Gefängnis gesessen hatte.
Nach der Zeremonie begaben sich die beiden Regierungschefs zum Sitz der belgischen Bundesregierung zu einem gemeinsamen Austausch, bei dem auch Ursula Von der Leyen, die Vorsitzende der EU-Kommission zugegen war. Dabei wurde noch einmal unterstrichen, wie wichtig eine europäische Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror ist. Dazu gehören auch nach Ansicht der Beteiligten eine strengere Politik bei der Ausweisung von abgelehnten Asylbewerbern und besser bewachte EU-Außengrenzen.
Premier De Croo gab zu, dass "wenn zwei Menschen sterben, ist irgendwo etwas falsch gelaufen. Vor dem Spiel gab es eine Sicherheitsanalyse, doch die Frage ist, ob dabei alle verfügbare Informationen genutzt wurden." Man habe vor allem auf den Impakt des Krieges zwischen Israel und der Hamas geschaut, "doch wir wissen, dass im Falle Schwedens noch ein Aspekt hinzukam."
Schwedens Premierminister wirft Belgien übrigens nichts vor: "Wir haben in Schweden exakt das gleiche Problem, also nehme ich der belgischen Regierung nichts übel. Es ist ironisch, denn es scheint, dass sich der Täter manchmal in Schweden aufgehalten hat, obwohl er dort nicht hätte sein dürfen."
EU-Kommissionsvorsitzende Ursula Von der Leyen bemerkte anschließend, dass "die Mitgliedsländer die Befugnis erhalten müssen, damit abgewiesene Asylbewerber, die eine Bedrohung für die Staatssicherheit darstellen, des Landes verwiesen werden können. Derzeit können die Mitgliedsstaaten gefährliche Personen darum bitten, das Land zu verlassen, doch sie müssen sie auch dazu zwingen können."
Sehen Sie bitte die Videos der Pressekonferenz der beiden Premiers nach diesem Treffen (in englischer Sprache).
Der belgische Fußballverband KBVB denkt daran, das Spiel gegen Schweden aus Respekt vor den Opfern des Anschlags nicht nachzuholen und es beim 1:1-Pausenstand zu belassen. Während der Halbzeitpause hatten die Spieler beider Mannschaften beschlossen, nicht mehr auf das Spielfeld zu gehen und unter den gegebenen Umständen weiterzuspielen.




