Der Gastronomiesektor in Belgien will von höheren Sozialabgaben für Flexijobber, wie sie der neue Bundeshaushalt vorsieht, nicht akzeptieren. Die Sektorverbände fordern „dringend“ ein Gespräch mit Bundesarbeitsminister Pierre-Yves Dermagne (PS). Besonders laut fordert dies der flämische Gastronomieverband „Horeca Vlaanderen“.
Belgiens Gastronomie lässt an höheren Sozialabgaben für Flexijobs kein gutes Haar
Im Rahmen der Verhandlung zum Staatshaushalt 2024 beschloss die Koalition auf belgischer Bundesebene eine Anhebung der Sozialabgaben für die Flexijobs. Das ist ein System, dass Pensionierten und Teilzeitbeschäftigten zu günstigen Bedingungen ermöglicht, etwas hinzuzuverdienen. Dabei wurde auch beschlossen, dieses System auf mehrere weitere Sektoren auszuweiten. Allerdings wurde auch ein maximales Einkommen für Flexijobber verabredet, die nicht mehr als 12.000 € pro Jahr hinzuverdienen dürfen.
Und, was vor allem die Gastronomie aufregt: Die Sozialabgaben der Arbeitgeber werden von 25 % auf 28 % angehoben. Diese halten die Anhebung für unzumutbar und führen zur Erklärung an, dass es in den ersten 9 Monaten des laufenden Jahres bereits 25 % mehr Konkurse in der Gastronomie gab, als im gleichen Vorjahreszeitraum.
„Für uns waren die Flexijobs eine der flankierenden Maßnahmen im Zuge der verpflichtenden Einführung von Registrierkassen in der Gastronomie (die sogenannten „Weißen Kassen“ gegen Schwarzgeld im Gastgewerbe (Red.))“, so Matthias De Caluwe, CEO von „Horeca Vlaanderen“. Er fordert jetzt schnell Gespräche mit Bundesarbeitsminister Dermangne: „Wir können auf eine Lösung nicht bis zur neuen Regierung warten!“
Rechnung
Laut „Horeca Vlaanderen“ zahlten die Arbeitgeber im Gaststättengewerbe letztes Jahr rund 56 Mio. € an Sozialabgaben für die Flexijobber. Auf Basis der vorliegenden Anhebung auf 28 % würde dies insgesamt für 6,7 Mio. € an Mehrkosten für die Gastronomen sorgen.
Die Bundesregierung sieht allerdings eine Ausnahme für die Gastronomie vor: Während die Flexijobber in allen anderen Sektoren auf Basis der Einkommensdurchschnitte (die sogenannten „Baremas“) bezahlt werden, wird das Gastgewerbe davon freigestellt.
Im vergangenen Jahr wurden in Belgien rund 108.000 Arbeitnehmer als Flexijobber beschäftigt. Fast 59.000 davon arbeitete in der Gastronomie. Der überwiegende Teil der Flexijobs wird in Flandern geschaffen, wo dieses System sehr beliebt ist, im Gegensatz zu den anderen Regionen und Gemeinschaften in Belgien.
