Bei der Stromproduktion in Belgien ist im ersten Halbjahr 2023 rund 13 % mehr CO2 ausgestoßen worden, als in der gleichen Periode des vergangenen Jahres. Die Ursache liegt an der Schließung der beiden Atommeiler Doel 3 und Tihange 2, wie aus einer Studie der Universität Gent (UGent) ersichtlich ist.
Stromproduktion in Belgien: Deutlich höherer CO2-Ausstoß im ersten Halbjahr 2023
Der Meiler Doel 3 aus dem gleichnamigen Kernkraftwerk bei Antwerpen wurde am 23. September 2022 abgeschaltet und der Meiler Tihange 4 des AKW in Huy bei Lüttich am 1. Februar dieses Jahres. Dadurch verlor die belgische Elektrizitätsversorgung kurzfristig 2 Gigawatt (GW) an Kapazität bzw. an CO2-armer Stromproduktion. Dies wird mit Stromproduktion durch Gaskraftwerke aufgefangen.
Dies wirkte sich unmittelbar auf den Schadstoffausstoß bei der Stromproduktion aus, wie die flämische Tageszeitung De Standaard bereits im Sommer meldete. Inzwischen bestätigt sich dies nach einer Studie von Sam Hamels, Wissenschaftler im Bereich Energie-Wirtschaft an der UGent.
Vergleich mit den Nachbarländern
Verglichen mit dem gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr (Februar bis Juli) lag der CO2-Ausstoß im ersten Halbjahr 2023 um 23 % höher und stieg von 148 auf 168 Gramm CO2 pro Kilowattstunde (KWh). Dabei wurde in der Studie von Hamels von einem konservativen Szenario ausgegangen, bei dem die Gaskraftwerke 50 Gramm CO2 pro KWh ausstoßen.
Zum Vergleich: Der CO2-Ausstoß bei der Stromproduktion in den Niederlanden lag 2022 bei 349 Gramm pro KWh, in Frankreich (wo deutlich weiter auf Atomstrom gesetzt wird) bei 72 Gramm und in Deutschland bei 486 Gramm. Dazu ist zu bemerken, dass die Niederländer und die Deutschen noch immer Elektrizität in Kohlekraftwerken produzieren.
Unterschiede im zeitlichen Verlauf
Der CO2-Ausstoß in Belgien unterscheidet sich in dieser Hinsicht von Monat zu Monat. Im Februar 2023 lag er z.B. 57 % höher als im gleichen Vorjahresmonat, um Juli hingegen lag er 33 % niedriger als im Juli 2023. Dies ist auf die Produktion von erneuerbarer Energie zurückzuführen, z.B. Wind- und Solarkraft.
2022 gab es im genannten Zeitraum mehr Sonne und in diesem Jahr mehr Wind, vor allem im Juli. 2022 war zudem auch ein Jahr, in dem in Belgien besonders viel Elektrizität aus Kernkraft gewonnen wurde.
