Im Sozialkonflikt um die Verselbständigung der letzten 128 noch von Delhaize selbst betriebenen Supermärkte hat die Direktion der Kette jetzt angekündigt, die laufenden Verhandlungen zu beenden und ihren Verkauf der Filialen durchzuziehen. Da die Gewerkschaften auch den vorliegenden Plan zur Schlichtung des Konflikts ab lehnen, geht Delhaize jetzt nach eigenem Gutdünken vor.
Konflikt bei Delhaize: Das Management beendet die Sozialverhandlungen
Ihren aktuellen Plan zur Übertragung der 128 Filialen an Franchisenehmer nennt Delhaize endgültig und wird wohl nicht mehr weiterverhandeln. Nach dem vorliegenden Vorschlag werden die rund 9.000 von der Übertragung betroffenen Mitarbeiter Prämien von durchschnittlich 3.750 € erhalten. Beschäftigte, die sich für eine vorzeitige Pensionierung interessieren, erhalten eine Prämie von 10.000 €. Denen, die mitgehen, wird rückwirkend zudem 125 € pro Jahr Anstellung bei Delhaize überwiesen.
Der Konflikt dauert bereits seit März. Delhaize sagte zur vorliegenden Entscheidung, dass man immer bereit zum Dialog gewesen sei und dass man in den letzten Phasen der Verhandlungen sehr weit auf die Gewerkschaften zugegangen sei. Doch immer wieder seien die Vorschläge zur Lösung von den Gewerkschaften abgewiesen worden. Das letzte Papier wurde umgehend von den Gewerkschaften verworfen und lediglich die christliche Gewerkschaft hatte sich letzte Woche dazu bereiterklärt, weiter zu verhandeln.
Die Gewerkschaften gehen davon aus, dass der Deal zwischen Delhaize und den neuen eigenständigen Franchisenehmern zu schlechteren Lohn- und Arbeitsbedingungen für die betroffenen Beschäftigten führen würde. Der Arbeitskampf wurde von Seiten der Arbeitnehmer teilweise mit harten Bandagen geführt. Es gab zahlreiche Streiks und Blockaden von Filialen und Vertriebszentren, Brandstiftungen in Märkten und zuletzt wurden die Häuser oder Wohnungen von Franchisenehmern mit Farbe beschmiert. Die Entscheidung, nicht mehr verhandeln zu wollen, nennen die Gewerkschaften denn auch eine Kriegserklärung.
Erste übernommene Filiale öffnet am 10. Oktober
Der erste verselbständigte Markt wird am 10. Oktober in Dendermonde in der Provinz Ostflandern eröffnet. Dabei kommen jene Bedingungen zum Tragen, die im letzten von Delhaize vorgelegten Vorschlag aufgeführt werden. Bisher sollen für 32 der 128 Märkte Übernahmekandidaten gefunden worden sein.
Die Delhaize-Gruppe, die mittlerweile zum niederländischen Ahold-Konzern gehört, der u.a. in den Niederlanden und in Flandern die Albert Hein-Supermärkte betreibt, garantiert, dass bis 2028 keine der betroffenen Filialen geschlossen wird.
