Zum Start des neuen akademischen Jahres an der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven) hat Rektor Luc Sels (Foto) für Lockerungen der flämischen Sprachengesetzgebung plädiert. Sels will bis 2040 die Zahl der Ausbildungen in anderen Sprachen als der in Flandern geltenden Amtssprache Niederländisch in seiner Uni verdoppeln. „Die Universität wird international sein oder sie wird nicht sein“, so Sels mit Nachdruck.
Luc Sels, Rektor der Universität Löwen, plädiert für mehr anderssprachige Ausbildungen
KUL-Rektor Sels forderte in seiner Ansprache zum Start des neuen akademischen Jahres an seiner Einrichtung eine „zeitgemäße und akkurate Sprachpolitik.“ Es sei heute nicht mehr so einfach, die besten internationalen Talente anziehen zu können, so der Rektor.
Schließlich stehe und falle die Wissenschaft mit Talent: „Unsere Universität ist im 20. Jahrhundert vor allem mit Talent aus der eigenen Heimat groß geworden, doch es hat sich viel verändert. Universitäten, die sich internationalem Talent nicht stellen, verlieren ihren Kampf. Regionen, die Hindernisse gegen die Anwerbung von internationalen Talenten errichten, werden sehen, dass ihre Universtäten in der Rangfolge sinken.“ Derzeit steht die KUL in der Rangfolge der besten europäischen Universitäten auf dem 21. Platz.
Zu hohes Niederländisch-Niveau verlangt?
Rektor Sels macht sich große Sorgen, denn die flämischen Sprachengesetze sind streng und dies schrecke ausländische Talente aber auch Professoren ab, die innerhalb von nur 5 Jahren ein Sprachdiplom des Niveaus B2 erreichen müssen, um hier dozieren zu dürfen. B2 ist ein Niederländisch-Niveau, das erlaubt, detailliert zu diskutieren und zu schreiben und gilt auch als Bedingung für eine Ernennung an Hochschulen oder Universitäten im belgischen Bundesland Flandern.
KUL-Rektor Sels ist mit seiner Forderung nicht alleine
„Dieser abschreckende Effekt bereitet mir Sorgen“, so Sels in seiner Ansprache: „Hochausgebildete Professoren haben mehrere Eisen im Feuer. Einer Region, die eine Möglichkeit für eine feste Anstellung und ein langes Bleiben an der Beherrschung einer Sprache koppelt, kehren sie wahrscheinlich den Rücken.“ Er plädiert für eine schrittweise Anhebung der Studiengänge in anderen Sprachen (sprich in Englisch) von derzeit 9 % auf 18 % bis 2024 an den Unis in Flandern.
Auch andere Universitäten in Flandern teilen die Sorgen von KUL-Rektor Luc Sels. Der Flämische Universitäre Rat (VLIR) nennt die aktuellen Sprachregelungen in Flandern einen bremsenden Faktor im Kampf um Talente, schreibt die flämische Tageszeitung De Standaard zu dieser Frage. Auch an den hiesigen Unis wird derzeit mit einem akuten Mangel an Fachkräften gekämpft, wie es beim VLIR weiter heißt: „Arbeitgeber innerhalb und außerhalb der akademischen Welt sind dringend auf der Suche nach hochausgebildetem Personal aus dem Ausland.“
