Bei Baggerarbeiten rund um das Rubenshaus in Antwerpen sind Arbeiter auf die Reste von Säulen eines calvinistischen Tempels aus dem 16. Jahrhundert gestoßen. Dieser Tempel soll damals errichtet worden sein, um die Gemüter der Protestanten im Zuge des „Bildersturms“ zu besänftigen. Zuvor wurden ebenfalls in der näheren Umgebung um das Rubenshaus bereits die Reste eines Ziegenhofs aus dem 14. Jahrhundert entdeckt.
Bei Baggerarbeiten am Rubenshaus in Antwerpen: Tempel aus dem 16. Jahrhundert entdeckt
Im Rahmen der umfassenden Renovierung des Rubenshauses in Antwerpen wird auch der Garten des Anwesens nach alten Zeichnungen erneuert. Bei den dazu erforderlichen Baggerarbeiten stießen Arbeiter vor einigen Tagen auf die Reste eines historischen Gebäudes. Archäologen konnten diesen Fund rasch datieren und einordnen. Es handelt sich bei den vier aus Ziegelsteinen errichteten und in einem Halbkreis angeordneten Pfeilern um einen calvinistischen Tempel aus dem Jahr 1566 (siehe Illustration unten).
Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever (N-VA), von Hause aus Historiker, sagte zu dem Fund, dass es sich dabei um ein Bauwerk aus einer entscheidenden Phase in der Geschichte seiner Stadt handele: „Anfang September 1566, nach den ‚Bildersturm‘, hatte Wilhelm von Oranien einen vorsichtigen Glaubensfrieden angekündigt. Calvinisten und Lutheraner bekamen innerhalb der Stadtmauer einen Ort, um ihre Messen feiern zu können.“
Doch dem hier wiederentdeckten Tempel war kein langes Leben beschieden, denn schon 1567 ließ die Margaretha von Parma die Anlagen abreißen: „Die Ironie der Geschichte ist, dass ausgerechnet Rubens, dessen Vater Jan durch seine calvinistische Überzeugung vor dem Blutrat von Alva flüchten musste, gerade hier im 17. Jahrhundert sein Haus und sein Atelier baute. Die Überreste davon lassen uns auch heute noch an die Wichtigkeit der demokratischen Werte von heute erinnern, Respekt, Toleranz, Freiheit und Gleichheit.“
