Die Stadt Genk in der Provinz Limburg will keine Wettbüros der Klasse IV mehr auf ihrem Grundgebiet. Damit wird die ehemalige Bergbaustadt die erste Stadt im belgischen Bundesland Flandern, in der in Wettbüros nicht mehr gewettet werden kann. Noch vor einigen Jahren gab es in Genk 10 Wettbüros, doch im Dezember muss die letzte Agentur schließen.
Genk schließt alle Wettbüros: "Viele Menschen rutschen durch zocken in die Armut ab"
Seit 2021 ist die Gesetzgebung rund um Glücksspiel und gewerbliches Wetten in Belgien verschärft worden und auf Basis dessen ist, so Bürgermeister Wim Dries (CD&V), ist Genk bald frei von Wettbüros: „Viele Menschen rutschen durch zocken in die Armut ab und es kann für psychische und soziale Probleme sorgen.“
Seit die Städte und Gemeinden in Flandern selbst für die Zulassungen für Wettbüros zuständig sind, ist in Genk keine solche mehr vergeben worden: „Wir können eine solche Zusammenarbeit immer verweigern, wenn sich in der Nähe davon Jugendeinrichtungen oder religiöse Einrichtungen befinden. Im Prinzip ist das in Genk der Fall.“ Für Gewerbegebiete gelten andere Regeln, doch auch dort können Anträge abgelehnt werden.
In der vergangenen Woche schlossen in Genk zwei Wettbüros und für das letzte seiner Art läuft die Betriebsgenehmigung Mitte Dezember aus. Bei der nächsten Gemeinderatsversammlung wird dies noch besprochen. Doch auf alle Wettmöglichkeiten hat die Stadt keinen Einfluss, wie der Bürgermeister betont: „Es kann aber noch an anderen Stellen gewettet werden, zum Beispiel in Zeitschriftenläden oder in Cafés an Bingo-Maschinen, doch wir führen dort Kontrollen durch. Wir haben auch noch 3 Spielhallen, deren Zulassung noch bis 2027 und 2028 läuft.“
Ein Betreiber wehrt sich
Seydi Tekin betrieb bisher 3 Filialen der Firma Betcenter in Genk, deren Zulassung nicht mehr verlängert wurde: „Wir mussten dadurch 10 Leute entlassen. Das waren Mitarbeiter ohne Berufsausbildung, die nicht so schnell wieder einen neuen Job finden werden. Ich glaube, dass Nulltoleranz für nichts gut ist. Jeder, der ein Handy hat, kann mit dem Zocken anfangen. Will der Bürgermeister den Leuten alle ihr Handy abnehmen?“
Betcenter hat vor anderthalb Jahren gegen die Stadt Genk in diesem Zusammenhang ein juristisches Verfahren auf den Weg gebracht. Doch dieses liegt gerade dem Staatsrat in Brüssel vor, kann also noch lange dauern. Vorangegangene Verfahren gingen zugunsten der Stadt aus.
