Zum sechsten Mal in dieser Woche ist in Charleroi eine Schule in Brand gesetzt worden, wie der öffentlich-rechtlich, französischsprachige Rundfunk RTBF berichtet und uns bestätigt wurde. Mindestens vier Brandanschläge in dieser Woche standen im Zusammenhang mit dem Protest gegen „Evras“, den Sexualkundeunterricht an französischsprachigen Schulen. In Lüttich konnte ein Brandanschlag auf eine Schule gerade noch rechtzeitig verhindert werden. Ob die jüngsten Brandstiftungen ebenfalls im Zusammenhang mit Evras stehen, ist noch nicht klar.
Protest gegen Sexualerziehung? Nach sechs Brandstiftungen in Schulen in Charleroi nun auch Versuch in Lüttich
In Montignies-sur-Sambre, einem Stadtbezirk von Charleroi, musste die Feuerwehr gestern Abend gegen 23 Uhr zu einem weiteren Brand in einer Schule ausrücken. Dies ist bereits der sechste Brand in einer Schule in der Stadt in dieser Woche. Nach Angaben von Polizeichef Laurent Van Doren handelte es sich auch bei diesem Brand um Brandstiftung. "Die Klassenzimmer wurden nicht beschädigt, aber es gibt erhebliche Schäden an der Außenfassade des Gebäudes", sagte er. Die Staatsanwaltschaft von Charleroi und das Kriminallabor wurden an den Tatort geschickt.
Die örtliche Polizei von Charleroi hatte gestern Abend gerade Verstärkung von der Bundespolizei erhalten, als das Feuer gemeldet wurde. "Die Kollegen waren gerade eingetroffen", so Van Doren gegenüber RTBF. "Wir hatten ein bisschen Pech. Ein paar Minuten später wären wir auf Patrouille gewesen und hätten die Täter abfangen können."
Sexualkundeunterricht „Evras“
Diese Verstärkung kam nicht von einem Tag auf den anderen. Bereits in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde in vier Schulen in der Region Charleroi Feuer gelegt. Dort wurden auch Graffiti angebracht, die auf ‚Evras‘ (Education à la vie relationnelle, affective et sexuelle; dt.: „Beziehungs-, Affekt- und Sexualerziehung"), den neuen Sexualkundeunterricht in französischsprachigen Schulen Belgiens, hinweisen. Die Tatsache, dass dieser Unterricht in der sechsten Primarschulklasse und in der vierten Sekundarschulklasse ein Pflichtfach sein wird, hat in rechtsextremen und konservativ-religiösen Kreisen vehemente Proteste ausgelöst.
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag kam es zu einem fünften Brand in einer Schule in Monceau-sur-Sambre, aber es wurde noch keine Verbindung zu den früheren Brandstiftungen hergestellt. Auch hier ist der Zusammenhang nicht klar.
"Muss aufhören"
Zwei Schulen in Lüttich waren gestern Abend ebenfalls Ziel von Vandalen. Dies bestätigte der Bürgermeister Willy Demeyer.
In einer Schule wurde ein beginnender Brand in einer Mülltonne gerade noch rechtzeitig verhindert und es wurden Graffiti gesprayt. Die Schule ist heute geschlossen, die Polizei hat eine Absperrung eingerichtet, und die Staatsanwaltschaft Lüttich führt Ermittlungen durch. An der zweiten Schule wurden nur Graffiti angebracht. Auch hier wurde vorerst kein Zusammenhang mit Evras bestätigt.
Innenministerin Annelies Verlinden teilte unterdessen auf X, dem früheren Twitter, mit, dass sie heute ein Koordinationstreffen mit den beteiligten Nachrichtendiensten, der Bundespolizei und den lokalen Behörden anberaumt, um das weitere Vorgehen zu koordinieren. "Ihr rührt unsere Schulen nicht an. Die Brandanschläge in Brüssel und Wallonien müssen aufhören. Deshalb habe ich die Bundespolizei gebeten, die lokalen Behörden zu unterstützen, um eine Eskalation zu vermeiden."
Der Staatsschutz bestätigt, dass er die Brände untersucht. "Im Rahmen unserer Zuständigkeit für die Überwachung von religiösem und politischem Extremismus untersuchen wir, ob die Brände damit in Zusammenhang stehen", heißt es.
