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Gesundheit

Belgien führt als eines der ersten Präventiv-Mittel gegen HIV ein: Verkauf in drei Jahren fast verdoppelt

Der Verkauf des PrEP-Medikaments (Prä-Expositions-Prophylaxe), das präventiv vor einer HIV-Infektion schützt, hat sich in Belgien binnen drei Jahren fast verdoppelt. Das geht aus Zahlen des belgischen Apothekerverbandes hervor. Aber es gibt auch Wartezeiten in den Behandlungszentren und nicht jede Zielgruppe wird gut erreicht.  

Martina Luxen Belga
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Seit dem 1. Juni 2017 wird das PrEP-Medikament (in Belgien unter dem Namen Truvada verkauft) von der Krankenkasse weitgehend erstattet. Im Vergleich zu 2016 ist der Verkauf des Medikaments um 84 Prozent gestiegen. Fast eine Verdoppelung also, wie der Apothekerverband aus Zahlen schließt, die bis Juni 2023 einschließlich gehen. Nach den jüngsten Zahlen von Sciensano nahmen bis Ende 2021 über 5.000 Menschen in Belgien das PrEP-Medikament ein, inzwischen sind es aber deutlich mehr. 

"Aus den Gesprächen vor Ort merken wir, dass homosexuelle Männer viel offener über PrEP sprechen und wirklich interessiert sind. Das ist ein ziemlicher Unterschied zu früher", sagt Boris Cruyssaert von Sensoa, dem flämischen Kompetenzzentrum für sexuelle Gesundheit. "Wir haben in den letzten Jahren auch verstärkt in die Kommunikation und gezielte Kampagnen investiert.”

PrEP wird in Form von Tabletten verabreicht. Sie helfen, eine Infektion mit dem Aidsvirus zu verhindern. Das Medikament ist also nicht für Personen gedacht, die bereits mit dem Aidsvirus infiziert sind, sondern für Personen, die sich vor dem Virus schützen wollen, zum Beispiel schwule Männer mit wechselnden Sexualkontakten. Die korrekte Einnahme schützt vor HIV (und damit vor AIDS) mindestens so gut wie ein Kondom.

Das Medikament ist rezeptpflichtig und muss von einem Arzt in einem der 12 Referenzzentren verschrieben werden. 

Wartezeiten für Arztbesuch bis zu fünf Monaten

Der zunehmende Erfolg der PrEP-Behandlung führt auch zu langen Wartezeiten: "In einer Studie von 2021/22 haben wir in bestimmten HIV-Zentren lange Wartelisten von bis zu fünf Monaten", sagt Thijs Reyniers , Forscher am Institut für Tropenmedizin: “Hinzukommt, dass jeder Patient alle drei Monate wiederkommen muss. Dadurch steigt der Druck auf die Zentren ständig und ist es schwierig, allen Interessierten schnell PrEP zu verschreiben."

Deswegen wollen mehrere HIV-Zentren auch vermehrt die Hausärzte einbeziehen.   

Noch nicht bei allen Zielgruppen bekannt

Was die Nutzung der PrEP betrifft, sind wir in unserem Land sicherlich auf einem guten Weg, argumentiert Thijs Reyniers: "Wir sind eines der ersten Länder der Welt, die die Behandlung einführen. Die Zahl der neuen Nutzer steigt. Aber sie könnte noch etwas stärker steigen."

Außerdem gibt es einige Zielgruppen, die noch nicht genug einbezogen sind. Personen mit einem Migrationshintergrund bekommen die Kosten für PrEP nicht immer erstattet. Auch Personen aus benachteiligten Verhältnissen oder Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter wissen weniger gut Bescheid. Bei den Zwanzigjährigen gibt es ebenfalls noch Potenzial, erklärt Thijs Reyniers.

Häufigste Nutzer der PrEP-Tablette sind zurzeit homosexuelle Männer zwischen 30 und 39 Jahren.

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