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Georges Henrilaan, Sint-Lambrechts-Woluwe

Die letzten Wandreklamen von Brüssel: Diese historische Art zu werben ist hier fast verschwunden

In der Sommerreihe „Big City“ befasste sich die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ auch mit der Geschichte der Wandreklamen in der belgischen Hauptstadt. Inzwischen sind fast alle dieser gemalten Werbungen verschwunden. Sogar die durch einen Streetartkünstler „veredelte“ Zanussi-Reklame am Steenkoolkaai im historischen Stadtzentrum ist inzwischen hinter einen Neubau verbannt worden.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die Reklame für den italienischen Haushaltsgerätehersteller Zanussi am Steenkoolkai unweit der Kirche und der Metrostation Sint-Katelijne und dem Denkmal für die Kriegstauben wurde 2016 durch eine Fotografie des flämischen Fotokünstlers Stefan Vanfleteren noch einmal landesweit bekannt. Erst recht bekannt wurde sie, als ein Streetartkünstler aus Zanussi „Anus“ machte und auf der Reklame einen solchen anbrachte. Wer dieser Künstler war, ist nicht wirklich bekannt, doch Kenner vermuten dahinten den Franzosen „Bonom“, der in der belgischen Hauptstadt für ähnlich anrüchige Wandgemälde sorgte.

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Doch diese Berühmtheit konnte nicht verhindern, dass 2017 ein Neubau neben dem Gebäude entstand, auf dem „Zanussi-Anus“ prangte. Dieser Neubau verdeckt heute diese ikonische Wandreklame… Viele Brüsseler Wandreklamen und gemalte Werbebilder sind so verschwunden, wie z.B. auch die Werbung für einen US-Straßenkreuzer der Marke Cadillac am Brüsseler Bahnhof Kapellekerk aus den 1920er oder 30er Jahren, die man nur aus einem fahrenden Zug sehen konnte.  

Wann entstanden die ersten Wandreklamen?

Gemalte Werbungen auf Hauswänden entstanden etwa Mitte des 19. Jahrhunderts im Rahmen der industriellen Revolution und der damit zusammenhängenden demografischen Entwicklung, die auch die ersten Anzeichen von Massenkonsum mit sich brachten. In Brüssel begannen die Großkaufhäuser Au Bon Marché ab 1845 und Innovation ab 1902 damit, mit solchen Wandreklamen in den anderen Stadtvierteln der Hauptstadt und in der Umgebung für sich zu werben. Seitenwände und Brandmauern entlang von großen Straßen waren z.B. ideale Möglichkeiten, um einfache aber klare Werbungen anzubringen, die die Kunden anlocken sollten. Das betraf z.B. die neuen Verkehrswege, die entstanden, als Brüssel ab etwa 1867 seinen Fluss Zenne unter die Erde verbannte…

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Walkierstraat, Evere

Zuerst zeigten solche Werbungen deutlich, worum es gehen sollte. Ein Schuster warb für Schuhe, ein Schlossmacher ließ Schlüssel oder Schlüssellöcher malen. Ab etwa den 1920er Jahren wurden solche Bilder durch die neu aufkommenden Logos von bestimmten Marken ersetzt, z.B. das Spa-Männchen für das Mineralwasser, der schwarze Mann für den Sandeman-Porto, Campari-Flaschen oder das Solo-Logo für die in Belgien bekannte Margarine. Am häufigsten tauchten Reklamen für Getränke und für Autos auf, nach und nach auch entlang von Bahn- oder Straßenbahnlinien.

Nicht alle waren davon begeistert

In der Zwischenkriegszeit sah man solche Werbungen in Brüssel überall, doch nicht alle Zeitgenossen waren davon begeistert. Die doch häufig auftretende Kritik sorgte dafür, dass die Behörden Steuern und andere Abgaben Hausbesitzern auferlegten, die Geld damit verdienten, dass ihre Seitenwände mit Werbung verziert wurde. Zudem sollten diese eigentlich dafür sorgen, dass diese Reklamen dann beseitigt werden, wenn der entsprechende Vertrag ausgelaufen war.

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Monseigneurlaan, Schaarbeek

Daran aber hielten sich die wenigsten und wirklich kontrolliert und geahndet wurde dies auch nicht. So kam es, dass man bis heute noch einige wenige dieser Wandreklamen sehen kann, auch wenn man gut suchen muss. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zunächst nicht viel zu werben und danach kamen die Plakate auf, von denen die größten ebenfalls an Hauswänden angebracht wurden (und werden).

In der Brüsseler Hauptstadt-Region sind heute noch wenige Wandreklamen zu finden, zum Beispiel zwei auf der gleichen Mauer in der Georges Henrilaan in Sint-Lambrechts-Woluwe, eine für eine Versicherung gegen Kriegsschäden in der Walkierstraat in Evere und eine für die Brauerei Caulier 28 in der Monseigneurlaan in Schaarbeek unweit des Bahnhofs (siehe Fotos in diesem Beitrag).    

Georges Henrilaan, Sint-Lambrechts-Woluwe

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