Auch wenn das afrikanische Land Niger in der Sahelzone im vergangenen Jahr noch der wichtigste Uranlieferant für Europa war, spielt dieses Land „keine bedeutende Rolle“ bei der Bevorratung mit diesem Rohstoff der belgischen Kernkraftwerke Doel bei Antwerpen und Tihange bei Lüttich. Dies verlautete diese Woche aus dem Kabinett von Belgiens Energieministerin Tinne Van der Straeten von den flämischen Grünen (Groen).
Die belgischen Kernkraftwerke haben keine Uran-Nachschubsorgen nach dem Staatsstreich in Niger
„In der Vergangenheit hat Niger keine Rolle bzw. keine bedeutende Rolle bei der Bevorratung mit Uran der belgischen Kernkraftwerke gespielt“, lässt die Ministerin wissen. „Synatom holt seinen Spaltstoff vor allem aus Australien, den USA, Kasachstan oder Namibia und über Trader.“
Synatom, eine Tochter des französischen Energiekonzerns und Betreibers der belgischen AKW Engie, verwaltet den Ankauf von Uran für Doel und Tihange und erwirbt diese, Stoff bei verschiedenen Produzenten, so Nele Scheerlinck, die Sprecherin von Engie in Belgien: „Und Synatom schließt Verträge mit spezialisierten Unternehmen ab, die das Uran verarbeiten und anreichern.“
Vorläufig habe Synatom genug Vorrat, um die fünf belgischen Reaktoren der beiden AKW bis 2025 am Netz zu halten. Was die Meiler Doel 4 und Tihange 3 betreffe (für die eine Laufzeitverlängerung vereinbart wurde), so reiche der Vorrat auch aus, um den ersten 18 Monate lang dauernden Zyklus der Laufzeitverlängerung zu sichern.
„Die Ereignisse in Niger werden wahrscheinlich Einfluss auf unsere Wahl für zukünftige Produzenten haben“, so Scheerlinck weiter: „Synatom hat sich nota bene nicht dazu entschlossen, bei den Russen anzuklopfen, um die Bevorratung im Hinblick auf diese Laufzeitverlängerung zu sichern.“
Engie geht davon aus, dass die Unterbrechung des Uran-Exports aus Niger ohnehin zu einer Preiserhöhung für Uran an den internationalen Märkten führen wird, nicht zuletzt wegen des durch die geopolitischen Entwicklungen (Russlands Angriffskrieg in der Ukraine) angespannten Kontextes in dieser Frage.
