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Auffallend hohe PFAS-Konzentrationen in der Meeresluft: noch nicht gefährlich, aber besorgniserregend

Die Seeluft an der belgischen Küste enthält auffallend hohe Konzentrationen PFAS. Möglicherweise ist sogar mehr PFAS in der Seeluft vorhanden als in der Stadt. Das geht aus einer ersten Sondierungsstudie des flämischen Forschungsinstituts VITO hervor. Der Amsterdamer Professor für Umweltchemie und Toxikologie an der Freien Universität Amsterdam, Jacob De Boer, sagt, es bestehe noch keine Gefahr, aber er sei besorgt.

Martina Luxen
Veröffentlicht:

Das VITO-Forschungsinstitut hat die PFAS-Konzentration in der Luft an zwei Orten in Knokke-Heist gemessen und sie mit der Stadtluft von Borgerhout (Stadtteil von Antwerpen) und der Landluft in Dessel (Provinz Antwerpen) verglichen. Am Meer waren die Werte auffallend höher als in den beiden anderen Gebieten.

Nach dieser Sondierungsstudie an nur zwei Messpunkten fordert das VITO daher weitere und tiefer gehende Untersuchungen, bevor echte Schlussfolgerungen gezogen werden können. Auch Professor Jacob de Boer von der Freien Universität Amsterdam plädiert für weitere Forschungen.

Was sind PFAS?

PFAS (Poly- und Perfluoralkylsubstanzen) sind Chemikalien, die auf natürlichem Wege kaum oder gar nicht abbaubar sind, wobei einige schädlicher sind als andere. Sie verbleiben daher in der Umwelt und in unserem Körper. Es handelt sich um synthetische Stoffe, die in der chemischen Industrie hergestellt werden und daher in unserer Umwelt nicht natürlich vorkommen.

Sie werden häufig für wasserabweisende Produkte wie regenfeste Kleidung oder als fett- und schmutzabweisende Beschichtungen, zum Beispiel in Pfannen, verwendet.  

PFAS in Meeresschaum

Professor De Boer sieht ähnliche Ergebnisse in internationalen Studien. "Am Boden der norwegischen Küste wurden höhere Werte von PFAS gemessen. Auch in den Dünen entlang der niederländischen Küste, zum Beispiel auf den Watteninseln, sind die PFAS-Werte höher als im Landesinneren, obwohl es dort eigentlich keine PFAS-Quelle gäbe.”

De Boer sieht eine mögliche Erklärung im Meeresschaum. "Es wurden Experimente durchgeführt, um herauszufinden, wie PFAS aus Abwässern entfernt werden können. Dabei zeigte sich, dass PFAS innerhalb weniger Minuten an die Oberfläche gelangen, wenn man Luft durch Wasser bläst. Wir vermuten, dass dieser Prozess auch im Meer stattfindet. Der Wind bläst die PFAS dann in Richtung Küste.” 

Produktionsstopp für PFAS?

Wirklich gefährliche Konzentrationen gebe es aber noch nicht, sagt der Amsterdamer Experte: "Man kann ohne Weiteres am Strand spazieren gehen. Es ist keinesfalls ungesund.” 

Dennoch ist De Boer besorgt. Für ihn handelt es sich um ein Signal, dass sofort etwas dagegen getan werden muss: "PFAS ist ein Stoff, der sich nicht abbauen lässt. Er bleibt einfach liegen. Je mehr PFAS produziert wird, desto mehr gelangt in die Umwelt. Irgendwann wird es also zu viel."

De Boer plädiert daher für einen Produktionsstopp. Schließlich sind PFAS weltweit verbreitet. De Boer arbeitet für die Vereinten Nationen an einem Überwachungsprogramm, das die PFAS-Konzentrationen in allen möglichen Gebieten untersucht.

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