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Warum wird die Durchschnittstemperatur in Belgien beim KMI in Ukkel gemessen?

Auch in Belgien ist das Wetter ein alltägliches Thema und dies beschäftigte schon den belgischen Astronomen und Statistiker Adolphe Quetelet (1796-1874), der bereits 1827, also noch vor der Entstehung Belgiens, Willem I., den damaligen König der Niederlande, davon überzeugen konnte, in Brüssel eine Sternenwarte zu gründen. Daraus wurde das Observatorium für Sternenkunde in Sint-Joost, in der aber auch von Beginn an auch meteorologische Wahrnehmungen und die Temperaturen analysiert wurden. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Adolphe Quetelet notierte viermal pro Tag die Temperatur. Das war für diese Zeit eher ungewöhnlich und dadurch gehören die Brüsseler Temperaturwahrnehmungen zu den ältesten Aufzeichnungen ihrer Art weltweit und das heutige Belgien (das damals zu den Niederen Landen zählte) gehörte zu den ersten Ländern überhaupt, in denen die Meteorologie studiert wurde. Seit 1833 wurden die Wetterdaten von Quetelet aufgezeichnet. Quetelet war davon überzeug, dass man auch auf dieser Ebene mit anderen Ländern zusammenarbeiten sollte, um die Veränderungen der Atmosphäre zu erfassen und gegenseitig auszutauschen, damit Voraussagen genauer definiert werden konnten.

Dank Adolphe Quetelet gab es in Belgien seit etwa 1876, der Astronom lebte da schon nicht mehr, auch Wetterbulletins, die mit den Jahren immer genauer wurden, eben auch durch die Zusammenarbeit mit anderen Ländern. Quetelet beschränkte seine Forschungen übrigens nicht auf die Astronomie oder auf das Wetter.

Er sorgte auch auf anderen Ebenen für Pionierarbeit. So wendete er im Bereich Statistik die Wahrscheinlichkeitsrechnung auch auf die Sozialwissenschaft aus. Er wollte diese Variablen auch bei sozialen Phänomenen studieren und nutzte diese Form der Statistik auch, um Kriminalität, Geburtenraten, Hochzeiten und Selbstmordzahlen zu verdeutlichen. Damit gilt er als Begründer der modernen Sozialstatistik.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Umzug nach Ukkel

Im 19. Jahrhundert wuchs Brüssel immer mehr an und auch die ländlichen Gebiete wurden urbaner und das betraf auch die Viertel im Sint-Joost rund um die Sternenwarte. Und nicht zuletzt erschwerte das Aufkommen der Straßenlampen die Arbeit der Astronomen und Wetterforscher. Sogar die Temperaturaufzeichnungen litten unter der Verstädterung, denn die dichte Bebauung hielt die Wärme fest, was die Messung der Temperaturen beeinträchtigte. Die Sternenwarte zog dann im Jahr 1890 ins ländlichere und höher gelegene Ukkel um.

In der ersten Zeit wurden die Wetterwahrnehmungen und die Temperaturmessungen gleichzeitig in Sint-Joost und in Ukkel durchgeführt. So konnten die Unterschiede zwischen einer urbanen Umgebung und einem ruralen Gebiet miteinander verglichen und studiert werden.

Doch als die Institution in Ukkel so weit war, dass von hier aus alles geleistet werden konnte, wurde der Standort Sint-Joost aufgegeben und das alte Gebäude geriet in Vergessenheit. Auf dem Hochplateau von Ukkel war so viel Platz, dass gleich zwei Einrichtungen dort eröffnet wurden: Die Königliche Sternenwarte und das Königliche Meteorologische Institut, das in den Medien bei Wetterbericht kurz und knapp KMI genannt wird.

(Lesen Sie bitte unter den Fotos weiter)

Referenz

Noch stets sind die Temperaturmessungen beim KMI in Ukkel die Referenzwerte für Belgien. Da diese bereits so lange dort vorgenommen werden, wird sich dies auch nicht so schnell ändern, denn langfristig kann eine Veränderung die Genauigkeit von Langzeitstudien negativ beeinflussen, denn Temperaturmessungen sind Präzisionsarbeit. Noch immer geht ein Mitarbeiter des KMI morgens über den Rasen des Wetteramtes hin zu einer der weißen Boxen, in denen eines der Quecksilber-Thermometer genau um 8 Uhr gelesen werden muss, um zu sehen, wie der Tag werden wird.

Übrigens, die alte Sternenwacht in Sint-Joost steht auch immer noch. Zunächst verfiel sie, nach dem sie nicht mehr gebraucht wurde, doch später wurde das Gebäude renoviert und anderen Zwecken zugeführt. Hier fanden verschiedene Verwaltungen eine Residenz, unter anderem die Polizei. 1990 wurde das Gebäude grundlegend renoviert. Dabei blieben die Außenmauern stehen, während im Inneren alles modernisiert wurde. Das Gebäude befindet sich in der Nähe des nach dem Gründer Adolphe Qeutelet benannten Qeuteletpleins im Schatten des Astro Towers und unweit des Botanischen Gartens von Brüssel bzw. des historischen Rathauses der Gemeinde Sint-Joost-ten-Noode (Foto unten). 

Historisches Foto des KMI-Geländes in Ukkel

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