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Im Zweiten Weltkrieg mussten rund 310.000 Belgier in Deutschland Zwangsarbeit leisten

Während des Zweiten Weltkriegs mussten auch Zwangsarbeiter aus Belgien dabei helfen, die deutsche Wirtschaft am Laufen zu halten bzw. in den Rüstungsfabriken für Waffennachschub für den Krieg zu sorgen. Auf dem Höhepunkt dieses Phänomens, etwa im Jahr 1943, waren bis zu 310.000 Belgier in Deutschland verpflichtet aktiv. Doch dieser Aspekt der Kriegsgeschichte ist in Belgien kaum beachtet worden. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die meisten Zwangsarbeiter aus Belgien mussten in der Rüstung arbeiten, wie der Wissenschaftler und Historiker des belgischen Staatsarchivs CEGESOMA, Dirk Luyten, feststellte. Dabei handelte es sich um Männer im Alter von 18 bis 50 Jahren und um unverheiratete Frauen zwischen 21 und 35 Jahren. Aber, es gab auch Ausnahmen.

Belgier, die in, wie man heute sagen würde „systemrelevanten“ Sektoren arbeiteten, wie z.B. in den Kohlezechen, der konnte in der Heimat weiterarbeiten und wurde nicht zur Arbeit verdonnert nach Deutschland deportiert. Auch Frauen mussten nach 1943 nicht mehr in Deutschland verpflichtet arbeiten. Dafür hatten katholische Kreise in Belgien gesorgt, denn sie sahen darin eine „Bedrohung der moralischen Integrität“… 

Wie kam es dazu?

Die Deportation zur Zwangsarbeit von Belgiern (und Nordfranzosen) nach Deutschland begann im März 1942. Das lag daran, dass in Deutschland Soldaten für die Fronten notwendig waren, so Dirk Luyten: „Sie brauchten mehr Soldaten für die verschiedenen Fronten und dadurch entstand ein Mangel an Arbeitskräften. Man wurde aufgrund eines Altersklassensystems ausgesucht. Wer in einem bestimmten Jahr geboren war, der wurde aufgerufen.“

Die wurde durch die deutsche Verwaltung offenbar so gehandhabt, damit zeitgleich große Gruppen an Arbeitern zur Verfügung standen, so Luyten: „Das war mit der früheren Dienstpflicht bei der Armee zu vergleichen.“

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Zwischen Baracken und Bauernhöfen

Für die belgischen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter gab es zwei Möglichkeiten, so der CEGESOMA-Historiker: „Man hatte Zwangsverpflichtete, die in einer Waffenfabrik arbeiten mussten und die unter einer Art Kasernenregime standen. Andere mussten in der Landwirtschaft arbeiten wurden bei Bauerfamilien untergebracht. Die waren deutlich besser dran. Diese Leute hatten Glück. „In den Waffenfabriken galt ein halboffenes System. Die Arbeiter konnten auch mal rausgehen.

Doch die Arbeit in der Rüstung war nicht frei von Risiken: „Die Alliierten wollten vor allem die Waffenfabriken bombardieren. Die Baracken lagen nicht weit von den Fabriken entfernt und so bestand das Risiko, verletzt zu werden oder ums Leben zu kommen.“ Jo Peeters von der Initiative „Haus des belgisch-französischen Widerstands“ ergänzte, dass die Fabrikdirektoren ab 1944 von den Nazis dazu aufgefordert wurden, ihre ausländischen Zwangsarbeiter als menschliche Schutzschilde gegen die Bombardierungen zu missbrauchen…

Verbrechen und Misshandlungen?

Die Historiker in Belgien gehen nicht davon aus, dass Zwangsarbeiter auch zwangsläufig misshandelt wurden. Diese waren nicht selten „normal“ entlohnt und den deutschen Regeln zur sozialen Sicherheit unterworfen. Aber, man darf auch nicht vergessen, dass man unter der Hitler-Diktatur in Nazi-Deutschland leben musste, so Luyten: „Man versuchte dort, so viel wie möglich zu produzieren. Wer sich nicht an die Regeln hielt, der wurde sanktioniert oder in ein Straflager geschickt. Dort wurde man mit Sicherheit nicht gut behandelt.“

Anne Friebel von den „Arolsen Archives“ in Bad Arolsen suchte für VRT NWS nach einem Beispiel für einen solchen Fall mit einem belgischen Zwangsarbeiter. Ein gewisser Raoul Dernies soll sich mit seinem Chef gestritten haben und dabei „deutsche Schweine“ gerufen haben. Er wurde daraufhin in ein Lager deportiert und kam dort durch die schlechten Lebensumstände um (Dokument unten). 

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter) 

Auch freiwillige Arbeiter aus Belgien?

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten Zwangsarbeiter aus unserem Land beim belgischen Staat Ansprüche auf Schadensersatz oder eine Rente stellen. Doch es gab auch Belgier, die aus freien Stücken nach Deutschland arbeiten gingen, entweder, weil sie dort „gutes Geld“ verdienen konnten - bis zu 750 damalige belgische Franken pro Monat, weil sie davon ausgingen, so oder so verpflichtet zu werden, oder aber weil sie Sympathien mit den Nazis hatten.

„Die Leute, die freiwillig nach Deutschland arbeiten gegangen sind, zum Beispiel vor der Einführung der Zwangsarbeit, hatten sich theoretisch sogar strafbar gemacht. Sie konnten also kein Statut von Zwangsarbeitern oder ein finanzielles Entgegenkommen beantragen. Verpflichtete Zwangsarbeit wurde aber nicht als Kollaboration angesehen“, so Dirk Luyten zu diesem Aspekt der Geschichte. 

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