Die flämische Landesregierung will Neuankömmlinge, die sich in Flandern niederlassen wollen, aber keinen Mittelschulabschluss vorweisen können, dazu verpflichten, einer Ausbildung in einem der zahlreichen Engpass- oder Mangelberufe zu folgen, wie die flämische Tageszeitung Het Nieuwsblad meldet. Damit will man zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen: Mehr Menschen zu einem Job verhelfen und damit etwas gegen den Facharbeitermangel unternehmen und Einbürgerung und Integration fördern.
Neuankömmlinge in Flandern, die kein Mittelschuldiplom haben, sollen einer Ausbildung in einem Mangelberuf folgen
Die im belgischen Bundesland Flandern ankommenden Neubürger sind nicht immer gut ausgebildet. Jeder Dritte ist entweder gar nicht geschult oder ausgebildet oder hat keinen Mittelschulabschluss. Das sorgt dafür, dass diese nur schwerlich in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Nur knapp 36 % der Männer und 17 % der Frauen ohne Ausbildung finden innerhalb von 2 Jahren einen Arbeitsplatz. Nach 5 Jahren steigen diese Werte statistisch auf 53 bzw. 27 %. Im Vergleich zu den Flamen, bei denen 76 % der Berufsbevölkerung in einem Arbeitsverhältnis ist, sind diese Zahlen sehr gering.
Gleichzeitig ist die Zahl der offenen Stellen in Flandern recht hoch und auch hier sorgt der Facharbeitermangel für Probleme in der Wirtschaft.
Jetzt soll das Einbürgerungssystem, das einen Einbürgerungskurs und Niederländischkurse vorschreibt, erweitert werden. Die Neubürger, die kein Mittelschuldiplom oder eine vergleichbare Berufsausbildung vorweisen können, sollen dazu verpflichtet werden, einer Ausbildung in einem der sogenannten Engpass- oder Mangelberufe zu folgen.
Das ist eine Win-Win-Situation. Neuankömmlinge bekommen mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt und wir können die Löcher in unserer Wirtschaft stopfen.“
Flanderns Landesinnen- und Integrationsminister Bart Somers
Damit will man auf der einen Seite mehr Einwanderern zu einem Job verhelfen und etwas gegen den akuten Facharbeitermangel unternehmen und auf der anderen Seite die Einbürgerung und die Integration fördern.
Flanderns Landesinnen- und Integrationsminister Bart Somers (Open VLD) ist begeistert von der Idee: „Das ist eine Win-Win-Situation. Neuankömmlinge bekommen mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt und wir können die Löcher in unserer Wirtschaft stopfen.“
Somers stellt fest, dass Belgien in der Frage der Integration von Einwanderern bei der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa) an letzter Stelle der 38 Mitgliedsländern steht: „Damit sind wir die schlechtesten Schüler der Klasse.“ Um dem Abhilfe zu verschaffen, fordert der Minister auch die flämische Landesagentur für Integration und Einbürgerung und das Arbeitsamt VDAB dazu auf, hier aktiver zu werden.
