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Touristenmagnet in Brüssel: Wer war eigentlich Manneken Pis?

Das Manneken Pis in der Nähe des Großen Marktes im historischen Zentrum von Brüssel mag vielleicht eine überschätzte Sehenswürdigkeit in der belgischen Hauptstadt sein, doch das Pinkelmännchen ist und bleibt ein Touristenmagnet und gehört neben dem Trevi-Brunnen in Rom und der Fontaine des Mers in Paris zu den weltweit am häufigsten fotografierten Denkmälern. Dass das Manneken Pis seit Jahrhunderten so beliebt ist, hat zum einen mit viel Humor zu tun, aber vielleicht auch mit den Mysterien rund dieser Figur. Die allermeisten Brüssel-Besucher stellen sich gar nicht die Frage, was es mit ihm auf sich hat…

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Allerdings ist dieses Mysterium auch bis heute nicht wirklich deutlich und deshalb ist es nicht ganz so einfach, zu erzählen, worum es bei Manneken Pis eigentlich wirklich geht. Laut der Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ liegt der Hintergrund dieser Geschichte weit zurück. Im 13. Jahrhundert wurden in Brüssel an mehreren Stellen Wasserbrunnen aufgestellt, damit die Bürger mit Trinkwasser versorgt werden konnten.

Einer dieser Brunnen muss auch dort gewesen sein, wo heute das Manneken Pis steht. Dies ist aus historischen Aufzeichnungen zu den Wasserleitungen in der belgischen Hauptstadt ersichtlich. Hier wird ein Brunnen vermeldet, „daer dmenneken pist“, was soviel bedeutet, wie „Brunnen, wo ein Männchen pisst“. Der Text, in dem dieser Satz zu finden ist, stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, also kann man davon ausgehen, dass seit dieser Zeit dort ein pinkelnder Junge steht. Doch wer das sein könnte, darüber werden mehrere verschiedene Geschichten erzählt. 

Julian?

Einige Quellen sagen, dass es sich um „Le Petit Julien“ handelt, bzw. um „Juliaantje“. Andere behaupten, dass dies ein Denkmal für einen Jungen sein soll, der Brüssel pinkelnd vor einem Feuer gerettet hat. Wieder andere Quellen deuten an, dass hier Eltern ein Denkmal errichtet haben lassen, die dort ihren verloren geglaubten Sohn urinierend wiedergefunden haben. Oder handelt es sich doch um einen Knaben, der am Rande einer Prozession mal eben am Straßenrand gepinkelt hat, bevor er weiter zog? 

Humor?

All diese Legenden trugen dazu bei, dass sich die Brüsseler mit Manneken Pis verbunden fühlten und noch fühlen, denn sie mögen dessen Unbefangenheit, dessen fast brutale Ignoranz gegenüber allen Gepflogenheiten und damit eben auch dessen Humor. Auch aus diesem Grunde beschloss die Brüsseler Stadtverwaltung im Jahr 1619, dem so beliebten Pinkelmännchen ein echtes Denkmal zu errichten, für das der damals sehr bekannte Bildhauer Hiëronymus Duquesnoy den Auftrag bekam. Auch dies unterstreicht die Wichtigkeit, die man schon damals in der Bevölkerung dem Manneken Pis beimaß.

Trotzdem hat das Pinkelmännchen in den rund 400 Jahren danach einiges durchstehen müssen. Zwischen 1747 und 1965 wurde das pinkelnde Figürchen siebenmal gestohlen. Französische Soldaten klauten das Pinkelmännchen und auch Militärs aus England. Einer der Diebe zerbrach Manneken Pis sogar in zwei Teile und versenkte es. Nach dem die Figur im Brüsseler Kanal wiedergefunden und danach repariert wurde, wollte die Stadtverwaltung kein Risiko mehr eingehen und ließ eine Replika anfertigen und am Brunnen aufstellen. Seit dem ist das Original im „Broodhuis“, im Brüsseler Stadtmuseum am Grand’Place zu finden. 

Über 1.000 Kostüme

Im Laufe der Jahrhunderte hat es sich die Manneken Pis-Gesellschaft zur Aufgabe gemacht, die kleine Figur zu allen möglichen Anlässen zu verkleiden. Viele der über 1.000 Kostüme des Manneken Pis sind in der Nähe im ….-Museum zu sehen. Auch hier kann man erleben, dass auch nach so langer Zeit einer eigentlich unanständigen Figur so unheimlich viel Bedeutung beigemessen wird.

Aber, nicht selten muss man bei Touristen aus dem Ausland anhand von langen Gesichtern feststellen, dass sie wohl etwas anderes erwartet haben, als nur ein etwa 55 Zentimeter großes pinkelndes Männchen… Den Brüsselern ist das egal. Sie lachen darüber und wenn sich dann mal doch einer „verarscht“ fühlt, tut gerade dies der mitunter bissigen Seele der belgischen Hauptstädter eher gut. Überschätzt? Viel Wind um nichts? Ja, vielleicht. Aber dennoch…

Infos: Das Brüsseler Stadtmuseum „Broodhuis“, Grote Markt, 1000 Brüssel, www.brusselscitymuseum.brussels , Manneken Pis-Museum, Eikstraat 19, 1000 Brussel, https://www.mannekenpis.brussels/nl/

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