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Unabhängige Frau mit Sommerbildern: Mu.ZEE in Ostende zeigt das Werk von Anna Boch

Mu.ZEE, das Kunstmuseum am Meer in Oostende, würdigt seit Anfang Juli und noch bis zum 5. November mit einer Retrospektive das Lebenswerk von Anna Boch, Belgiens bedeutendste Künstlerin um 1900. Sie malte impressionistische Werke und sammelte auch Kunst von Zeitgenossen, zum Beispiel das einzige Gemälde, das Vincent van Gogh zu Lebzeiten verkaufte. Boch war eine abenteuerlustige, reiselustige Frau. Mu.ZEE erwartet 50.000 Besucher für diese mit Spannung erwartete Ausstellung.

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Für die Anna-Boch-Ausstellung badet das Mu.ZEE in Violett- und Fliedertönen. Nicht, weil das eine Farbe wäre, die zu einer Künstlerin passt, wie das Museum betont, sondern weil Anna Boch Schatten auf impressionistische Weise malte: nicht grau, sondern bunt und oft fliederfarben.

Das Museum in Ostende zeigt Werke von Anna Boch selbst - viele Landschaften, Gärten, Blumen, Felsen - und von den Künstlerzeitgenossen, die sie sammelte, wie Ensor, Gauguin, Signac oder Van Gogh. Man erhält auch einen Einblick in ihren Lebensstil. "Sie nahm ihr Leben selbst in die Hand, spielte selbst die Hauptrolle, traf sehr bewusste Entscheidungen", sagt Kurator Stefan Huygebaert.

Boch-Keramik

Geboren wurde Anna Rosalie Boch 1848 in der wallonischen Kleinstadt  La Louvière als älteste Tochter des sehr vermögenden Steingutfabrikanten Victor Boch (Villeroy & Boch). Sie war die ältere Schwester des Malers Eugène Boch (1855–1941) und studierte selbst Malerei an der Kunstakademie von Paris.

Sie blieb immer unverheiratet und war reich genug, um ihr Leben selbst zu gestalten. Vom elterlichen Schloss in der Nähe von La Louvière über alle möglichen Privatresidenzen in Brüssel, wo sie den Jugendstilarchitekten Victor Horta arbeiten ließ, bis hin zu einer Villa Maria in Middelkerke oder auf  Reisen durch Europa mit ihrem Minerva-Auto, einer damals sehr berühmten und entsprechend teuren belgischen Automarke.

Als Künstlerin und Frau am Ende des 19. Jahrhunderts in Belgien war sie dafür bekannt, sehr fortschrittlich zu sein, besaß ein Auto, reiste viel und oft allein, was damals absolut nicht einfach war für eine Frau.

Anna und Eugène Boch in Südfrankreich mit dem Minerva. Foto Vincent Everarts

„Roter Weinberg in Montmajour“

Um 1885 lernte Anna Boch den Maler Théo van Rysselberghe kennen, ein Gründungsmitglied der Société des Vingt (kurz Les Vingt, deutsch Die Zwanzig), einer Vereinigung avantgardistischer Künstler, die sich für den künstlerischen Austausch zwischen Frankreich und Belgien einsetzte.

Anna Boch schuf Werke in impressionistischer, zeitweise auch in neoimpressionistischer Manier, und kaufte 1890 auf der Ausstellung der Société des Vingt, bei der auch sie selbst und ihr Bruder Eugène vertreten waren, ein in Arles gemaltes Bild Vincent van Goghs, den „Roten Weinberg in Montmajour“, das einzige Kunstwerk, das Van Gogh zu Lebzeiten verkaufte.

Dieses Werk ist in Ostende leider nicht zu sehen; es befindet sich unerreichbar in einem russischen Museum. Ein anderes Gemälde von Van Gogh wurde vom Musée d'Orsay in Paris ausgeliehen: ein Porträt von Eugène Boch, Annas Bruder und ebenfalls Maler, vor einem Sternenhimmel.

Anna Boch beim Malen

Positive Sommerstimmung

Anna Boch war eine Sammlerin und Mäzenin. Und man kann buchstäblich in ihren eigenen Gemälden sehen, was sie kaufte, als sie ihre üppigen Interieurs malte. Das ist eine der Attraktionen, die Boch für Kurator Huygebaert darstellt. Das und "die positive Sommerstimmung" in ihrem Werk. Nicht zufällig ist das Bild auf allen Plakaten das Gemälde "En juin" (dt.: Im Juni), das eine Frau mit Sonnenschirm und eine lila Clematis zeigt. Es strahlt förmlich sommerliche Wärme aus.

Im Brüsseler Stadtteil Elsene (Ixelles) führte Anna Boch ein offenes Haus für progressive Künstler und besaß neben zwei Bildern van Goghs – 1891 erwarb sie ein zweites –, die sie 1907 wieder verkaufte, auch Gemälde von Gauguin, Georges Seurat, Paul Signac und von James Ensor, der in ihrem Salon verkehrte.

Und das war noch nicht alles: Anna Boch spielte Orgel und ließ sich um dieses Instrument herum ein Haus bauen, in dem sie musikalische Salons veranstaltete und von Claude Debussy und anderen Komponisten und Musikern besucht wurde. Regelmäßig besuchte sie die Wagner-Festspiele in Bayreuth.

Arbeit und Leben, Malerei und Musik von Anna Boch werden also in Ostende zu sehen sein. "Wir haben hohe Erwartungen an diese Ausstellung", sagt Direktor Dominique Savelkoul. "Wir rechnen mit 50.000 Besuchern. Viele Eintrittskarten sind bereits im Vorverkauf verkauft worden, und das Interesse aus Frankreich und Deutschland ist sehr groß.  Eine Reservierung im Voraus wird daher empfohlen.“

Anna Boch, eine impressionistische Reise

Seit dem 01/07/2023 bis zum  05/11/2023 im Mu.ZEE Kunstmuseum am Meer - Romestraat 11, Oostende 8400

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