Die Mehrheit der Bettler in den Straßen der belgischen Hauptstadt Brüssel sind Roma, von denen die meisten wiederum aus Rumänien kommen. Vor 15 Jahren waren rund die Hälfte aller Bettler hier Roma, wie die Universität von Löwen (KU Leuven) in einer Studie herausgefunden hat. Bettelnde Roma sind heute auch öfter obdachlos als früher und sie werden von den Passanten kaum beachtet, auch dann, wenn sie kleine Kinder dabei haben.
Brüssel: Unter den Bettlern sind mehr Roma denn je und diese werden kaum beachtet
Über die Bettler in Brüssel ist nur wenig bekannt und breitgefächerte Bevölkerungsstudien zu diesem Thema tragen kaum zur Dokumentation der wohl am meisten aus unserer Gesellschaft ausgeschlossenen Gruppe bei, ist in der KUL-Studie dazu zu lesen. Die Forscher der Löwener Uni befragten etwa 350 Bettler in den Straßen der Hauptstadt.
Auffallend ist, so der Soziologe Stef Adriaenssens (KU Leuven), dass die Zahl der Roma hier enorm angestiegen ist: „Die Roma in Brüssel kommen vor allem aus Rumänien und stellen heute drei Viertel der Bettler in der Stadt dar. Vor 15 Jahren waren sie etwas die Hälfte aller Bettler hier.“
„Vor rund 15 Jahren hatten alle Roma, die hier lebten, ein Dach über dem Kopf. Ihre Aufenthaltsorte waren zumeist von minderer Qualität und überbelegt, doch heute leben sie sehr oft auf der Straße, sogar wenn sie mit sehr kleinen Kindern dabei betteln,“ so Prof. Adriaenssens. Fast alle Roma in Brüssel leben vom Betteln und in jedem 7. Fall sind eines oder mehrere Kinder dabei, so die Studie.
Roma wird seltener etwas gegeben, als anderen Bettlern
Die Forscher der KUL befragten auch 310 Personen, die Bettlern etwas geben und daraus ist ersichtlich, dass die meisten weniger dazu geneigt sind, Roma unterstützen. „Auffallend ist, dass diese Diskriminierung schwarzen Bettlern gegenüber nicht besteht und dass das hier eher umgekehrt ist. Testpersonen zeigen eine ebengroße, wenn nicht größere Bereitschaft dazu, sich mit einem schwarzen Bettler solidarisch zu zeigen, als mit einem weißen“, so die Studie.
Allerdings ist die Zahl der Bettler mit afrikanischen Wurzeln in Brüssel eher verschwindend gering, so die Statistik innerhalb dieser Studie. Und auch nicht-weiße Personen haben ähnliche Vorzüge, wenn Bettlern etwas gegeben werden kann.
