Das Brüsseler Nachtleben gehört in Zukunft zum Kulturerbe der Hauptstadt-Region. Dies lässt Brüssels neue Staatssekretärin für Städtebau und Kulturerbe, Ans Persoons (Vooruit/one.brussels) wissen. Damit folgt die Clubkultur u.a. der Brüsseler Frittenbuden-Kultur, der Belfried-Kultur, sowie dem Brüsseler Spargel und Speculoos oder auch dem Meiboom, der seit 1308 jährlich aufgestellt wird.
Dass das Nachtleben ins Brüsseler Kulturerbe aufgenommen wird, hat eine ganz besondere Vorgeschichte. Vor einigen Monaten klagten die neuen Hausbesitzer neben dem berühmten Nachtclub und Technotempel Fuse in den Brüsseler Marollen wegen Lärmbelästigung. Daraufhin riet der Brüsseler Nachtrat dazu, als Gegenmaßnahme die Brüsseler Nacht- und Clubszene zum Kulturgut zu erheben. Bei der Politik stieß dies nicht auf taube Ohren und Brüssels neue Staatssekretärin für Städtebau und Kulturerbe, die flämische Sozialistin Ans Persoons, machte jetzt Nägel mit Köpfen.
„Die Brüssele ‚nightlife scene‘ ist im Laufe der Jahre ein Teil der Identität der Stadt geworden“, so zitiert die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ die Nachfolgerin des im Zuge der Iran-Visa-Affäre zurückgetretenen Vooruit-Politikers Pascal Smet: „Die Brüsseler Nächte bieten den Brüsselern und den Besuchern nicht nur die Möglichkeit, sich zu entspannen, sich zu treffen und Musik zu genießen. Die Musikclubs sind auch zu Brutstätten für Kunst und Kultur geworden.“
Eine ganze Reihe von Clubs (positiv) betroffen
Was in der Nacht lebe, habe auch Einfluss auf den Tag, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Kabinett von Ans Persoons und überdies habe das Nachtleben auch direkten und indirekten Einfluss auf die Wirtschaft und die Gastronomie in der belgischen Hauptstadt.
Laut der Kriterien des Brüsseler Nightlife-Sektors, der sich aus der Föderation Brussels By Night, 24hBrussels und der Horeca Föderation von Brüssel zusammensetzt, gehören zu dieser Szene gut 20 Clubs und Diskotheken, wozu auch u.a. Fuse, Mirano, Spirito, La Cabane, Madame Moustache, C12 und Bloody Louis gehören.
"Juristisch eher symbolisch"
Alya Dirix, Koordinatorin und Sprecherin vom Brüsseler Nachtrat, sagte dazu gegenüber BRUZZ: „Die Anerkennung des Clublebens erlaubt uns, deren soziale und kulturelle Berufung zu archivieren und zu dokumentieren, unsere Kenntnis und unser Wissen dazu zu erweitern und so diese Erscheinung auf eine nachhaltige Art und Weise in die städtische Nachtlandschaft zu integrieren.“
Aber, die Anerkennung der Clubszene als Brüsseler Kulturerbe sei eher ein symbolischer Schritt, der nicht unbedingt juristische Konsequenzen beinhalte, wie aus dem Kabinett von Staatssekretärin Persoons verlautete: „Diese Anerkennung ist also eher symbolisch, doch sie ist unterstreicht die gesellschaftliche Bedeutung der Clubszene.“ Und doch kann die Unterschutzstellung der Brüsseler Nachtkultur in Zukunft als ein Signal gewertet werden, um in bestimmten Dossiers, wie der Fuse-Geschichte, als Argument angeführt werden zu können, um juristische Ausnahmeregelungen zu erarbeiten.
