Die belgische Bundesregierung und der Energiekonzern Engie haben sich auf die Laufzeitverlängerung der beiden jüngsten Kernreaktoren Doel 4 und Tihange 3 einigen können. Die Verhandlungen dazu haben lange gedauert und waren sehr intensiv, wie es dazu von Seiten von Engie heißt.
Einigung zur Laufzeitverlängerung für die beiden jüngsten belgischen Kernreaktoren
Nach einem intensiven und konstruktiven Dialog zwischen Belgiens Premierminister Alexander De Croo (Open VLD) und Bundesenergieministerin Tinne Van der Straeten (Groen) auf der einen und dem französischen Energiekonzern und Kraftwerksbetreiber wurde vereinbart, dass letzterer die Kosten für die Endlagerung des radioaktiven Abfalls aus den AKW bis zu einer Summe von 15 Mia. € geradesteht. Alles was darüber hinaus an Kosten anfällt, übernimmt der belgische Staat.
Allerdings übernimmt Engie im Nachhinein sämtliche Kosten für den Rückbau der belgischen Atomkraftwerke ab dem Zeitpunkt, ab dem Belgien definitiv aus der Kernenergie aussteigt. In einer Pressemitteilung heißt es dazu: „Die gesamte nukleare Verpflichtung der Engie-Gruppe gegenüber Belgien beläuft sich auf mindestens 23 Mia. €“.
Stromversorgung sichern
Doch dies ist nicht vor 2028 geplant, denn Engie verpflichtet sich dazu, die beiden Meiler Doel 4 im gleichnamigen AKW bei Antwerpen und Tihange 3 im gleichnamigen AKW bei Huy unweit von Lüttich weiterzubetreiben und damit die Stromversorgung für die Winter 2025/2026 bzw. 2027/2028 abzusichern. Dazu gehört auch, die entsprechenden Brennstäbe zu bestellen und zu kaufen.
Der entsprechende Vertrag, den beide Parteien ein „no way back agreement“ nennen, soll in einigen Wochen ratifiziert werden. Im Vorfeld muss noch die EU-Kommission ihr Fiat dazu geben. Engie und die belgische Regierung sind der Ansicht, dass diese Einigung die Lasten und die Risiken ausgeglichen aufteilt. Ab November 2025 sollen die beiden Meiler wieder produzieren und ans Netz gehen. Zu dem Vertrag gehört ein juristischer Rahmen für die beiden Reaktoren, von denen der Staat und Engie jeweils zu gleichen Teilen Eigne werden.
Kritik von Opposition und Umweltverbänden
Gegen das Abkommen kommt Kritik. Die oppositionellen flämischen Nationaldemokraten N-VA gehen davon aus, dass diese Laufzeitverlängerung die Energiesicherheit in den kommenden 10 Jahren nicht garantieren könne. Der N-VA-Abgeordnete Bert Wollants wies darauf hin, dass der Energiebedarf in den kommenden Jahren enorm steigen werde, schon durch die Zunahme von elektrischen Autos.
Auch die hiesigen Umweltorganisationen BBL und Greenpeace kritisieren diesen Vorgang scharf. Auch hier heißt es, dass die beiden Meiler die Energiesicherheit nicht gewährleisten könnten, denn die Anlagen seien veraltet und würden immer mal wieder ausfallen.
Hinzu kommt noch, so Greenpeace, dass die 15 Mia. €, die Engie für den Endlagerung des Strahlenabfalls aufwenden müsse, bei weitem nicht reichen würden und dass letztendlich der Steuerzahler für eine solch kurzfristig geplante Energiepolitik draufzahlen müsse.
Atomausstieg damit faktisch besiegelt
Die beiden Meiler Doel 4 und Tihange 3 können damit theoretisch bis 2035 produzieren. Damit ist der eigentlich in Belgien für 2025 geplante Atomausstieg besiegelt, wenn er auch erst 10 Jahre später vollzogen wird. Belgien hat zwei Kernkraftwerke mit sieben Reaktoren von denen bereits vom Netz genommen wurden. Dabei handelte es sich um die „Pannen-Reaktoren“ Tihange 2 und Doel 3, bei denen Haarrisse in der stählernen Ummantelung der Reaktorblöcke festgestellt wurden.
Derzeit wird noch zgeprüft, ob auch die ältesten Meiler der hiesigen AKW - Tihange 1, Doel 1 und Doel 2 - länger am Netz bleiben können, um befürchtete Elektrizitätsengpässe im Winter 2025/2026 zu entgegenzuwirken, denn eine Studie des belgischen Stromnetzbetreibers Elia stellt fest, dass in den beiden Jahren noch Kapazitäten fehlen könnten. AKW-Betreiber Engie will aber davon nichts wissen, denn die entsprechenden Investitionen seien zu hoch.
