Einkaufen in Frankreich und auch in den anderen Nachbarländern scheint sich immer mehr zu lohnen, denn im zweiten Quartal des laufenden Jahres stieg das Einkaufsvolumen von belgischen Kunden im Ausland um fast 70 %, wie das Verbraucherdateninstitut GfK und der Einzelhandelsverband Comeos melden. So viel wurde noch nie von Landsleuten in den Nachbarländern eingekauft, schreibt die flämische Tageszeitung De Standaard dazu.
Vor allem Frankreich scheint hier voll im Trend zu liegen, denn im Vergleich zum ersten Quartal 2022 stieg das Einkaufsvolumen von belgischen Kunden in unserem westlichen Nachbarland um 43,44 % und im Vergleich zum zweiten Quartal 2022 um 69,29 %. Lauf GfK und Comeos zieht es die meisten Landsleute in Frankreich in die Warenhäuser und Supermärkte, wie z.B. Auchan.
Im vergangenen Jahr kauften belgische Kunden in den Nachbarländern Frankreich, Luxemburg, Deutschland und Niederlande für 688 Mio. € ein. Im Jahr davor lag dieses Einkaufsvolumen noch bei 426 Mio. €. Diese Zahlen betreffen nur die Einkäufe vor Ort. Theoretisch kommen noch die Online-Anschaffungen bei ausländischen Webshops hinzu…
Die Preisunterschiede zwischen Supermärkten in Belgien und in Frankreich sind recht groß und die belgischen Märkte beklagen sich über den Verlust an Kunden. Sie teilen dazu mit, dass sie nicht alle steigenden Kosten in ihrem Sektor an die Kunden weitergeben können und doch sind hier die Preise höher als in Frankreich.
Mehrwertsteuer und automatischer Index
Der Einzelhandel in Belgien wirft der Bundesregierung vor, dies mit Mehrwertsteuer-Anhebungen noch zu begünstigen, denn im Rahmen der geplanten Steuerreform soll die MWS auf Lebensmittel von 6 auf 9 % angehoben werden. Da helfe auch nichts, dass die MWS-Tarife für Grundnahrungsmittel auf 0 % gesenkt würden. Zudem kämen immer mehr Abgaben hinzu, wie z.B. auf Verpackungsabfall.
Auf Dauer werde diese Entwicklung Arbeitsplätze kosten, so die Kritik der Einzelhandelsverbände in Belgien.
Comeos warnt davor, dass der automatische Lohn- und Gehaltsindex, die Inflation und die steigenden Rohstoff- und Energiepreise die Unterschiede zwischen den Preisen in belgischen bzw. in französischen oder deutschen Supermärkten und Warenhäuser noch weiter verstärken würden, denn dort würden die Preise günstiger bleiben. U.a. Frankreich unternimmt Schritte zum Eindämmen von zu starken Preisanstiegen und sorgt dafür, dass die Kaufkraft dort weiter möglichst hoch bleibt.
