Der Mai 2023 war der stauintensivste Mai-Monat seit Beginn der Messungen im Jahr 2011. Das meldet Statistik Flandern auf der Grundlage von Zahlen des Flämischen Verkehrszentrums. Er steht sogar an dritter Stelle der stauintensivsten Monate aller Zeiten. Wie kann das sein? Das Homeoffice hat sich nach der Corona-Periode doch eingebürgert, und wir fahren deutlich mehr mit dem Fahrrad zur Arbeit?
Trotz Klimazielen, Telearbeit und mehr Radverkehr zur Arbeit: Stauzahlen brechen Rekorde
In den letzten Monaten gab es zahlreiche Erfolgsmeldungen. Laut einer Studie über die Mobilität in Flandern nutzen wir zum ersten Mal für alle unsere Fahrten das Auto deutlich weniger (60 Prozent der Gesamtzahl der Fahrten). Beim Pendeln benutzen 62 Prozent der Flamen immer noch das Auto, aber inzwischen nutzen bereits 22 Prozent das Elektrofahrrad. Das Pendeln mit dem Fahrrad hat seit 2005 sogar um 80 Prozent zugenommen.
Und dennoch steigt die Zahl der Staus weiter an. Der Mai 2023 war der verkehrsreichste Mai-Monat aller Zeiten und sogar der drittstärkste in absoluten Zahlen aller gemessenen Monate und Jahre, nach Juni 2019 und Oktober 2021. Wirklich verlässliche Messungen hat die Verkehrszentrale sowieso erst seit 2011. Die ersten strukturellen Staus in Belgien traten 1986 auf, waren aber bei weitem nicht so lang wie im Jahr 2011.
Homeoffice und Radpendler sind nur ein kleiner Teil der Lösung
Es wird immer deutlicher, dass die vergangene Corona-Periode, in der es deutlich weniger Staus gab, nur ein Intermezzo war. Der Trend seit 2011 ist, dass die Staus von Jahr zu Jahr zunehmen, und das setzt sich jetzt einfach fort. Gegen Staus hilft das Homeoffice also nicht ausreichend, denn der Pendlerverkehr macht nur ein Viertel aller Fahrten aus. Der Freizeit- und Güterverkehr nimmt weiter zu. Das Bundesplanungsamt hat vor zwei Jahren errechnet, dass bei einer Beibehaltung des Homeoffice wie in der Corona-Periode bis 2040 nur 1,6 Prozent der Verkehrsnachfrage wegfallen würden. Vernachlässigbar, mit anderen Worten.
Allerdings gibt es eine Verschiebung über den Tag hinweg. Die morgendliche Rushhour ist ruhiger, aber die abendliche Rushhour wird stärker beansprucht (+10 %), was natürlich auch auf das demografische und wirtschaftliche Wachstum zurückzuführen ist. Das macht Sinn, denn das Straßennetz ist seit den 1990er Jahren unverändert, wird aber von Hunderttausenden zusätzlicher Auto- und Lkw-Fahrer genutzt. Auch bei einer Verlagerung des Pendlerverkehrs auf das Fahrrad fahren immer mehr Menschen noch so lange mit dem Auto zur Arbeit, bis sie die Nase voll haben von den Staus.
Schuld ist die Zunahme des Güterverkehrs und der Firmenwagen
Bei unveränderter Politik und ähnlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erwartet das Bundesplanungsamt einen weiteren kräftigen Anstieg des Güterverkehrsaufkommens für unser Land. Laut der Verkehrszentrale fahren wir derzeit noch fast sieben Prozent weniger Kilometer mit dem Auto als 2019, werden aber 2040 noch häufiger mit dem Auto im Stau stehen, allein wegen der Zunahme des Güterverkehrs auf der Straße.
Außerdem zeigen die vorliegenden Zahlen, dass das Radfahren nicht so sehr den Autoverkehr reduziert, sondern vor allem den öffentlichen Verkehr entlastet. Die flämischen Nahverkehrsgesellschaft De Lijn und die belgischen Bahn NMBS zählen nach wie vor weniger Reisende, und auch Fahrgemeinschaften und kollektiver Firmenverkehr verlieren Marktanteile. Das Elektrofahrrad oder der E-Step - aber auch das Auto - sind einfach so viel flexibler für ihre Nutzer
Ein wichtiger Faktor für Staus in unserem Land ist auch der Firmen- oder Dienstwagen. Laut dem Personaldienstleister Acerta haben bereits 23 Prozent der Angestellten in Belgien einen Firmenwagen. Die Beliebtheit dieses Fahrzeugs nimmt aufgrund der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt noch zu. Im Kampf um Fachkräfte stellen die Unternehmen sie manchmal auch für Bewerber zur Verfügung, die bisher nicht in Frage kamen. Firmenwagenbesitzer fahren doppelt so viele Kilometer wie Privatwagenbesitzer.
Schließlich kommt noch dieser Faktor ins Spiel: Telearbeiter, die ein Auto zu Hause haben, sieht man während der Hauptverkehrszeit nicht auf der Straße, aber sie sind manchmal außerhalb der Hauptverkehrszeiten unterwegs, um eine schnelle Besorgung zu machen.
