Der Wasserturm am Bahnhof von Denderleeuw in der Provinz Ostflandern ist akut von Abriss bedroht. In Infrabel, der Infrastruktur-Dienstleister der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB, verfügt seit Jahresbeginn über eine Abrisserlaubnis. Die Gemeinde und einige Privatpersonen wollen den fast 100 Jahre alten Turm erhalten, denn er ist hier eine Art Wahrzeichen.
Infrabel und die belgische Bahn haben den Zustand des alten Wasserturms von Denderleeuw untersuchen lassen, wobei festgestellt wurde, dass er nicht mehr zu retten sei. Gebaut wurde der Turm im Jahr 1925, um die Dampflokomotiven des Betriebswerks Dendermonde mit Wasser zu versorgen. Er gehört der belgischen Staatsbahn.
Die Stadt Dendermonde wollte den Wasserturm erhalten und restaurieren, doch nach Ansicht der NMBS ist dies unmöglich. Im Februar sagte Bahnsprecher Dimitri Temmerman gegenüber VRT NWS dazu: „Wir haben gründlich untersucht, was wir mit dem Wasserturm machen können, um ihm beispielsweise eine andere Funktion zu geben. Doch das ist unmöglich, auch, weil sich der Turm zwischen zwei Gleisen befindet und er somit über einen öffentlichen Weg nicht zu erreichen ist.“
Durch die Tatsache, dass der alte Wasserturm so dicht bei den Gleisen steht, sorgt er hier sogar für Gefahr, so Temmerman: „Deshalb haben wir beschlossen, den Turm abzureißen.“ Mit ein wenig gutem Willen könnte man den Turm allerdings zugänglich machen, wie ein Besuch der Anlagen leicht feststellen lässt…
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Der Turm
Der Wasserturm wurde von einer Wasserleitung gespeist aus der Dender, die rund 800 Meter lang ist und die zuerst zu einer Filteranlage führte. Er hat eine Pilzform, die dadurch entsteht, dass der Turm eine Spitze aus Beton aufweist, die auf einer konischen bzw. pyramidenförmigen gemauerten Säule steht. An dem Turm sind Fenster in Bogenform und Ringbalken erkennbar. Er ist 25 Meter hoch und hat ein Fassungsvermögen von 300 m² Wasser.
Nach Ansicht der flämischen Denkmalschutzbehörde und des Denkmalschutzamtes von Dendermonde ist er durchaus als Industriedenkmal erhaltenswert. Doch er gilt „nur“ als „architektonisch erhaltenswert“, ist aber nicht denkmalgeschützt.
Rettungsversuch
Mario Cobbaert aus Denderleeuw betreibt eine Facebookseite mit dem Titel „Denderleeuw Positif“ und hier fanden sich seit der Ankündigung im Februar, dass der Wasserturm definitiv abgerissen werden soll, zahlreiche Berichte von Bürgern der Stadt, die dies nicht zulassen wollen. Cobbaert initiierte damals eine Petition, denn „den Wasserturm sehen ist für die Leute in Denderleeuw nach Hause kommen.“
Weil dieser Turm so groß ist und die Stadt überragt und prägt, hängen die Menschen an ihm. Das sagte auch Mario Cobbaert gegenüber der flämischen Tageszeitung Het Laatste Nieuws vor einigen Wochen: „Der Wasserturm ist ein Erkennungszeichen. Man fährt in Dendermonde ein und man sieht ihn. Ich halte diesen Turm persönlich, ähnlich wie viele andere hier, in dieser Hinsicht für wichtiger als die Kirche. (…) Darum habe ich die Petition ‚Lasst die Eisenbahn wissen, dass wir unseren Wasserturm behalten wollen‘, lanciert.“
Noch steht der Wasserturm von Dendermonde. Ob die Petition gegen seinen Abriss mehr Erfolg hat, als das Bestreben der Stadtverwaltung. 2025 würde er 100 Jahre alt werden…
