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Inland
Politik

Coming-Out des Parteichefs der flämischen Sozialdemokraten, Conner Rousseau

Am Donnerstagabend hat Conner Rousseau (30, Foto), der Parteivorsitzende von Vooruit (flämische Sozialisten), in einem freimütigen Interview auf YouTube mitgeteilt, dass er bisexuell ist und sowohl auf Frauen wie auf Männer steht. Er habe noch nie Details über seine sexuelle Orientierung mit der Öffentlichkeit geteilt, weil er in der Vergangenheit mit negativen Reaktionen zu kämpfen hatte. "Ich habe sehr lange mit mir selbst gerungen", sagt Rousseau unter anderem in dem YouTube-Video.

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Rousseau nimmt sich etwa 14 Minuten Zeit, um deutlich zu machen, dass er auch auf Männer steht. „Ich kämpfe mit meiner Orientierung. Wir schreiben das Jahr 2023. Heutzutage ist das kein Thema mehr, aber ich kämpfe immer noch damit", sagt er in dem Video.

Vor etwa zwei Wochen kündigte der Vooruit-Vorsitzende auf Instagram an, dass er eine Pause einlegen werde. Die Ankündigung folgte kurz nachdem er mit satten 95,63 Prozent erneut zum Parteivorsitzenden der flämischen Sozialdemokraten wiedergewählt worden war. Laut Umfragen ist er momentan der beliebteste Politiker Flanderns.

Steckt mehr dahinter?

So ein Coming-Out ist eigentlich kein Thema mehr, schließlich ist Belgien bekannt für seine Toleranz, was die sexuelle Orientieru8ng betrifft. Trotzdem schlägt die Ankündigung hohe Wellen, aber das hat andere Gründe.

Gegen Conner Rousseau laufe schon seit Monaten eine massive Hetz- und Hasskampagne, so die Vooruit-Parlamentarierin Freya Van den Bossche im Gespräch mit VRT NWS. Zu dieser Kampagne sollen auch Unterstellungen gehören, dass es unerwünschte Intimitäten gegeben haben soll vonseiten Rousseaus in zwei Fällen. Besonders pikant: Die angeblichen Opfer sollen zwei siebzehnjährige junge Männer sein, also Minderjährige.

Es habe tatsächlich auch eine entsprechende Meldung an die Staatsanwaltschaft gegeben, bestätigt Van den Bossche. Die Staatsanwaltschaft habe aber festgestellt, dass es keine faktische Basis für die Beschuldigung gegeben habe, und die Ermittlungen eingestellt. Die zweite Vorermittlung läuft noch, allerdings gebe es auch hier bisher keinerlei Hinweise auf tatsächliche Vergehen.

Irritierend

Allerdings irritiert viele Medien vor allem etwas anderes, nämlich die Form, die Conner Rousseau für sein Coming-Out gewählt hat. Er hat sich nicht etwa wie heutzutage oft üblich einfach über die Sozialen Medien offenbart oder, etwas klassischer, über ein Interview im Fernsehen oder in den Zeitungen.

Stattdessen hat Rousseau sich für ein professionell produziertes Video entschieden mit einem Interviewer seines Vertrauens. Dieses Video können alle Interessierten auf YouTube kostenlos und ohne Einschränkung anschauen. Medien sollten allerdings dafür bezahlen, Ausschnitte in Bild oder Ton in ihren eigenen Sendungen auszustrahlen. Eine zumindest sehr ungewöhnliche Praxis, die bei den großen Medien, auch bei der VRT, und beim Journalistenverband auf Ablehnung stieß.

Hier wird vor allem betont, dass Rousseau sich nicht den kritischen Rückfragen der Journalisten stellen wollte, etwa nach besagten Anschuldigungen wegen grenzüberschreitendem Verhalten. Inzwischen soll er sogar ins Ausland abgetaucht sein, was für weitere Irritationen sorgt. 

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