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Wurde Jacques Brel wirklich von einem regionalen Radiosender in Limburg entdeckt?

Die flämische Tageszeitung Het Nieuwsblad stellte unlängst das Buch „Flanderns Mysterien“, in Niederländisch „Mysteries van Vlaanderen“ vor. In diesem Buch werden sogenannte „urban legends“ auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. Eine dieser Geschichten betrifft den Karrierebeginn des weltberühmten belgischen Chansonniers Jacques Brel. Dessen Lieder wurden zuerst vom flämischen Regionalsender „Omroep Limburg“ gesendet… Und nein, diese Geschichte ist nicht frei erfunden.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Als sich Jacques Brel 1952 die Füße für einen Plattenvertrag oder für einen Sender plattlief, der ihn in sein Programm aufnehmen wollte, landete er auch beim „Omroep Limburg“. Dort, so erzählte Studioleiter Jef Claessen in einem alten Zeitungsartikel in den 1980er Jahren, suchte man gerne über die eigenen Grenzen hinaus nach neuen musikalischen Talenten. Dieser Sender war quasi der Vorläufer des heutigen VRT-Senders Radio 2/Limburg.

Im Dezember 1952 stand dort einmal der junge Brüsseler Sänger Jacques Brel vor der Türe. Er hatte damals ein Tonband unter dem Arm, auf dem gut 20 Lieder zu hören waren. Eine Woche zuvor hatte man ihn noch beim NIR, dem nationalen belgischen Rundfunk, aus dem unser Haus, die VRT, und unsere frankophonen Kollegen der RTBF hervorgegangen sind, nach einem Vorsingen rausgeworfen. Und in Paris bei der Plattenfirma Philips konnte man ebenfalls nichts mit ihm anfangen. Grund? Sein Brüsseler Akzent…

Doch „Omroep Limburg“-Chef Claessen ließ Brel im Studio alle seine Lieder neu aufnehmen. Solo, also ohne Begleitband oder gar einem Orchester. In einer seiner Sendungen ließ er auch zwei dieser Lieder laufen. Offenbar hatte das Erfolg und der Brüsseler durfte danach sechs Chansons live im Studio singen. Das war tatsächlich eine Weltpremiere, denn bisher war der Chansonnier noch nie live im Radio zu hören.

Damit war seine Karriere offenbar lanciert, denn nur wenig später sah man bei Philips in Paris seine Fehler ein und nahm Jacques Brel unter Vertrag. Danach ging es für Brels Karriere steil in die Höhe und der Sänger wurde trotz oder wegen seines Brüsseler Akzents und wegen seiner unnachahmlichen Performance weltberühmt.

Wem er das letztendlich zu verdanken hatte, vergaß Brel niemals. Jedes Mal, wenn er eine neue Platte herausbrachte, kam diese auch per Post beim „Omroep Limburg“ an und stets mit den Worten versehen: „Gezeichnet, Jacques Brel.“ 

„Mysteries van Vlaanderen“, Herausgegeben beim Verlag Borgerhoff & Lamberigts, 204 Seiten.  

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