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Inland
Politik

Kreuzfahrttouristen sind in Flanderns Kunststädten immer unbeliebter

In Flandern ist die Akzeptanz für Kreuzfahrttouristen nicht besonders groß und in Kunstmetropolen, wie Brügge, Gent oder Antwerpen nimmt sie sogar ab. Dies ergab eine Studie, die Flanderns Ministerin für Umwelt und Tourismus, Zuhal Demir (N-VA) in Auftrag gegeben hat. Sie stellt dazu fest, dass sich dieser Sektor anders aufstellen sollte. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Pro Jahr kommen mehr als eine halbe Million Kreuzfahrttouristen nach Flandern und in die belgische Hauptstadt Brüssel. Jährlich bringt das dem Einzelhandel rund 25 Mio. € ein, denn diese Tages- und Kurzzeitgäste kaufen vor allem Souvenirs, Bier und Schokolade und manchmal verspeisen sie Fritten oder eine Waffel „auf der Hand“. Jetzt stellt eine Studie fest, dass die Akzeptanz für diese Art der Touristen hier „signifikant sinkt“. Viele Bürger geben an, weniger solche Touristen sehen zu wollen. Dies steht im Gegensatz zu den Investierungen, die in den Seehäfen Zeebrügge und Antwerpen geleistet wurden, um eben mehr Kreuzfahrtschiffe anzulocken.

Aus einer entsprechenden Umfrage im Jahr 2017 wurde deutlich, dass rund 20 % der Einwohner von Brügge, Gent und Antwerpen weniger Kreuzfahrttouristen sehen wollten. 2021 war diese Ansicht bei sogar etwa 50 % der Betroffenen vorhanden. Marjan Nauwelaert, die an dieser Studie beteiligt war, war von dieser deutlichen Ablehnung überrascht: „In Brügge liegt die Ablehnung sogar bei 57 %.“ Andere Touristen, wie Tagestouristen oder Übernachtungstouristen, die in den betroffenen Städten mehr Geld ausgeben, sind hingegen weiter beliebt und sind gerngesehene Gäste.

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Touristen in Brügge

Doch die Begründung, dass die Touristen, die an Bord von Kreuzfahrtschiffen hierherkommen, zum einen für Hochdruck und Gedränge sorgen und zum anderen wenig Geld ausgeben, sind nicht die einzigen Gründe für diese doch deutliche Ablehnung. Die Hälfte der befragten Personen gibt auch an, dass diese riesigen Kreuzfahrtschiffe einen negativen Impakt auf die Umwelt haben.

Diese Schiffe stoßen CO2, Schwefeldioxyd, Stickstoff und Feinstaub aus, denn in den Häfen am Kai liegend, laufen deren riesige Diesel- oder Schwerölmotoren weiter, weil sie enorme Mengen an Energie brauchen. Das ist z.B. bei Flusskreuzfahrtschiffen weniger oder gar nicht der Fall, denn dort, wo sie in Gent, Antwerpen, Brüssel oder Zeebrügge festmachen, beziehen sie den Strom aus Anschlüssen an den Kais.

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Kreuzfahrtschiff in Antwerpen

Flanderns Umwelt- und Tourismusministerin Zuhal Demir (N-VA) kündigte an, die Studie zu analysieren und mit den betroffenen Städten in den Dialog zu treten. Deutlich ist aber schon jetzt, dass es schwierig werden könnte, die Entwicklung zurückzudrängen, denn der Kreuzfahrtsektor ist weiter auf Expansionskurz und es werden immer mehr und immer größere Schiffe bestellt und gebaut. Pro Jahr legen etwa 8 % mehr dieser Schiffe bei uns an.

Aus dem Kabinett der Ministerin verlautet: „Der Kreuzfahrttourismus sorgt nicht für die bedeutendsten Einkommen oder Umsätze, wohl aber für eine hohe Umweltverschmutzung. Überdies scheint ein Gleichgewicht zwischen der Akzeptanz für die und die Anwesenheit der Kreuzfahrttouristen nicht mehr ausgeglichen. Deshalb werde ich diese Art des Tourismus anpassen und dieses Gleichgewicht wieder herstellen.“

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Kreuzfahrtschiffe in Zeebrügge

In Venedig wird die Zahl der großen Kreuzfahrtschiffe in Zukunft deutlich zurückgeschraubt und in Großbritannien wird die Zahl der zugelassenen Touristen von diesen Schiffen eingeschränkt. Ab 2026 sollen auf den britischen Inseln nur noch emissionsfreie Kreuzfahrtschiffe zugelassen werden. Zu guter Letzt müssen die Häfen auch einen sogenannten „Environmental Port Index“ (EPI) vorhalten, um den Schadstoffausstoß dieser Riesenschiffe zu registrieren und zu monitoren.

„Die Studie gibt Empfehlungen, wie die Aufteilung von Cruisetouristen und die Einschränkung von gewissen Marktsegmenten und Schiffen“, so Demir weiter: „Hochsee-Kreuzfahrtschiffe stoßen fast 50 Mal mehr Schadstoffe aus, als Flusskreuzfahrtschiffe. Wir müssen eine Debatte über eine Einschränkung und bessere Verteilung des Impakts führen, sowohl im Sinne der Bürger, als auch der Umwelt.“

Das flämische Fremdenverkehrsamt „Toerisme Vlaanderen“ wird die Resultate dieser Studie dem entsprechenden Ausschuss im Landesparlament vorlegen. Die Reaktionen der Landtagsabgeordneten zu diesem Thema sollen in den Dialog mit den betroffenen Instanzen mit einfließen. 

Touristen in Brügge

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