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Brüssel ist eine vielsprachige Stadt - Englisch als dritte Verwaltungssprache?
Inland
Politik

Die flämischen Liberalen wollen Englisch als offizielle Verwaltungssprache in Brüssel einführen

Nicht nur Niederländisch und Französisch sollen in der belgischen Hauptstadt Brüssel Verwaltungssprache sein, sondern auch Englisch. Dies steht im Modernisierungsplan der flämischen Liberalen Open VLD. Flanderns Landesminister Sven Gatz (Open VLD) will die Sache aber nicht auf die Spitze treiben: „Seien Sie beruhigt. Wir werden das Straßenschild der 'Wetstraat' nicht durch 'Law Street' ersetzen.“ 

Andreas Kockartz
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Die flämischen Liberalen Open VLD sind der Ansicht, dass die heutige Sprachengesetzgebung ein Relikt aus alten Zeiten ist und damit längst an der Realität vorbeigeht. Jetzt legt die Partei einen Plan vor, mit der sie die Brüsseler Hauptstadt-Region etwas aufpeppen will. In ihren Vorschlägen zur Modernisierung finden sich auch einige Punkte, mit der die Sprachenregelung aufgefrischt werden soll. Und das bedeutet auch, dass Englisch mehr in den Vordergrund gerückt werden soll.

Im Bereich der Dienstleistung der Regionalverwaltung soll Englisch den beiden anderen Sprachen Niederländisch und Französisch ebenbürtig werden. Das soll zum Beispiel der Fall bei den Behörden und an den Schaltern der Stadt und der Region Brüssel der Fall sein. Sven Gatz, geboren und aufgewachsen in Brüssel und heutiger flämischer Landesminister für Mehrsprachigkeit und den öffentlichen Dienst, sieht das so, wie die flämische Tageszeitung De Morgen vor einigen Tagen schrieb: „Brüssel ist eine superdiverse Stadt. Drei Viertel der Einwohner haben einen nicht-belgischen Hintergrund. Dadurch wird das Englische immer mehr zu einer verbindenden Sprache.“

Bleibt etwas untergeordnet

Nach den Ideen von Open VLD soll Englisch aber den anderen beiden Amtssprachen der Hauptstadt-Region etwas untergeordnet bleiben. Englisch soll eine gefestigte Verwaltungssprache werden, nicht aber eine dritte offizielle Sprache: „Praktisch gesehen soll das bedeuten, dass einem überall in Englisch geholfen werden soll, doch eine Baugenehmigung muss weiter ausschließlich in Niederländisch oder Französisch beantragt werden.“ Gatz‘ Liberale haben sich in New York inspirieren lassen, wo man den Bürgern in insgesamt neun Sprachen hilft. 

Ist das belgische Sprachengesetz noch up-to-date?

Eigentlich würde sich sprachlich nicht wirklich viel in Brüssel ändern, so De Morgen, denn hier wird praktisch überall schon Englisch gesprochen. Doch eigentlich ist dies nicht unbedingt erlaubt, die die Brüsseler bzw. belgische Sprachenregelung aus den 1960er Jahren vorschreibt. Und diese sorgt inzwischen sogar für kontroverse Diskussionen. Spätestens seit ein Richtungsschild an einer Autobahn in Antwerpen auf Richtung „Liège“ hinwies und nicht, wie Lüttich in Niederländisch heißt, „Luik“.

Flanderns Landesministerin für Mobilität und öffentliche Arbeiten Lydia Peeters, ebenfalls Open VLD, ließ dieses Richtungsschild aufgrund der oben erwähnten Sprachengesetzgebung wieder anpassen… Laut Gatz zeigt auch dieses Beispiel, dass die Sprachengesetze nicht mehr aus dieser Zeit sind: „Diese steht noch immer im Zeichen der Verteidigung einer Sprache gegen die andere. Das kommt der heutigen Situation Brüssels nicht mehr zugute.“ Vielleicht sollte man sich solche Gedanken auch einmal zur Aufwertung der dritten belgischen Amtssprache Deutsch machen, zumindest auf föderaler belgischer Ebene. Und in Brüssel leben und arbeiten heute auch zahllose deutschsprachige Europäer…     

Sven Gatz, in der Brüsseler Regionalregierung auch für die Förderung der Mehrsprachigkeit zuständig

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