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Wirtschaft

Belgiens Wirtschaftsminister droht Namen von Lebensmittelproduzenten zu nennen, die nicht mit den Preisen runtergehen

Bundeswirtschaftsminister Pierre-Yves Dermagne (PS) erwartet von der Lebensmittelindustrie, dass diese bis Mitte Juli eine Lösung für die weiter steigenden Preise in den Supermärkten finden. Wie die flämische Tageszeitung Gazet Van Antwerpen meldet, sagte Dermagne dies am Rande eines Treffens mit dem Sektorverband Fevia. Komme hier keine Einigung zustande, so der frankophone Sozialist, werde er die Namen der Unternehmen nennen, die ihre Preise trotz sinkender Kosten nicht nach unten korrigieren würden. Fevia und der Wirtschaftsverband Unizo reagieren überrascht auf diese Drohung. Kritik kommt von Seiten von Ökonomen. Derweil soll die Inflation weiter zu hoch bleiben. 

Andreas Kockartz
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Aktualisiertupdate:

Der Preis für einen durchschnittlichen Einkaufswagen in den belgischen Warenhäusern bleibt hoch, während Rohstoffe, wie Getreide, Milch oder pflanzliche Öle ähnlich den Energiepreisen weltweit wieder sinken. Belgiens Wirtschaftsminister, der frankophone Sozialist Pierre-Yves Dermagne (PS), will, dass sich die Entwicklung an den Weltmärkten in Preissenkungen in den Supermärkten widerspiegelt.

„Es ist nicht normal, dass wenn die Rohstoffe im Preis sinken, während sich die Verbraucher monatemang in Geduld üben müssen, bis sie den Effekt davon im Geschäft sehen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Ministers.

Er erwartet bis Mitte Juli, dass die Lebensmittelhersteller untereinander, zum Beispiel im Rahmen von sogenannten „Handelsketten-Konzertierungen“ zu einem Abkommen finden, wie sie Preissenkungen für die Verbraucher im Einzelhandel senken können.

Unterdessen untersucht das staatliche Preisobservatorium die Gewinnmargen im Lebensmittelsektor und arbeitet an Preisvergleichen zwischen Belgien und den Nachbarländern. Bisher findet ein Gesetzesvorschlag, der der Regierung ermöglicht, Höchstpreise oder maximale Gewinnmargen festzulegen – wie dies in Frankreich der Fall ist, der sozialistischen Parteien im belgischen Bundesparlament PS und Vooruit noch keine Mehrheit.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Bundeswirtschaftsminister Pierre-Yves Dermagne (PS) in der Kammer

Wie regiert der Sektor?

Beim belgischen Discounter Colruyt geht man derzeit noch nicht von schnellen Preissenkungen aus, wie Gazet Van Antwerpen schreibt. Hier beobachte man zwar, dass sich die Preise stabilisieren würden, doch wie sich das in den Filialen entwickeln werde, sei noch nicht auszumachen. Bei Colruyt heißt es dazu: „Mit unserem Niedrigpreismodell folgen wir dem Markt und wir haben noch keine Senkungen festgestellt.

Beim Lebensmittel-Sektorverband Fevia reagiert man überrascht und auch der Wirtschaftsverband Unizo für Flandern und Brüssel zeigt sich betroffen. Hier lehnt man die Forderung von Wirtschaftsminister Dermagne ab und verweist dabei auf den unterschiedlichen Kontext in Frankreich und in Belgien. In unserem Nachbarland gebe es eine Mehrheit auf politischer Ebene für Preisblockierungen im Einzelhandel, in Belgien aber nicht und Fevia lässt wissen, dass man dies auch nicht will. 

Man habe sich noch nicht von der Krise erholt und habe sich über ein Jahr lang substanziellen Kostensteigerungen unterwerfen müssen, sagte Nicholas Courant von Fevia gegenüber der belgischen Presseagentur Belga: „Bestimmte Kosten konnten in ihrem Preis wegen Verträgen mit den Supermärkten nicht durchgerechnet werden, weil diese Neuverhandlungen ablehnten. Unternehmen haben mit Verlust verkaufen müssen.“

Unizo teilt mit, dass es besonders kleinere und mittelständische Unternehmen im Lebensmittelbereich in Belgien weiterhin schwer haben, ihre gestiegenen Kosten durchzurechnen und weiterzugeben. Danny Van Assche von Unizo sagte dazu, dass er ein Problem mit der Forderung von Minister Dermagne habe: „Ein ähnliches Signal haben wir beim Minister vermisst, als die Rohstoff- und Energiepreie enorm gestiegen sind…“

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter) 

Volkswirt hält Eingriffe für keine gute Idee - Inflation bleibt hoch

Xavier Gellynck, Volkswirt mit Fachbereich Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie an der Universität von Gent (UGent), sagte dazu gegenüber VRT NWS, dass er nichts davon halte, in die Preispolitik dieser Industrie einzugreifen, denn gerade im Bereich Nahrungsmittel funktioniere der Wettbewerb gut und hier reguliere sich der Markt eben selbst.

Gellynck sagte übrigens in einem Gespräch mit der flämischen Tageszeitung Het Niewsblad, dass er staatliche Eingriffe für leichtsinnig und gefährlich halte und dies nicht nur im Bereich Preispolitik im Handel, sondern auch bei den Sparzinsen der Banken.

Ökonom Gellynck sieht andere Gründe für die hohen Preise für Lebensmittel, als zu hohe Gewinnspannen in Produktion und Handel: Krieg in der Ukraine, die Nachwehen von Corona, Klimawandel und neue Umweltauflagen für die Landwirtschaft, wie z.B. die EU-Klimapolitik. Er glaubt denn auch, dass die Preise vorerst hoch bleiben werden.

Das belgische Planbüro scheint ihm dabei Recht zu geben, denn hier geht man davon aus, dass die Inflation nicht vor 2025 unter die 2 %-Grenze auf einen „normalen“ Stand sinken wird.   

Auch Umweltauflagen für die Landwirtschaft verteuern die Preise

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