Das Museum M in der brabantischen Universitätsstadt Löwen wartet mit einem neuen Werk in seiner Sammlung auf. Dabei handelt es sich um die bisher unbekannte „Studie des Kopfes eines bärtigen Mannes“ („Studiekop van een bebaarde man“) der Brüsseler Barockmalerin Michaelina Wautier (1604-1689) von etwa 1655. Das Museum M wird dieses Werk ab 2024 zeigen können.
Das Museum M in Löwen zeigt bald ein bisher unbekanntes Gemälde von Michaelina Wautier
Das Werk wurde unlängst von der Wautier-Spezialistin Katlijne Van der Stighelen von der Löwener Universität (KU Leuven) der Malerin aus dem 17. Jahrhundert zugesprochen. Mit diesem Werk setzt das Haus seine Bestrebungen fort, die eigene Sammlung zwischen männlichen und weiblichen Kunstschaffenden weiter auszugleichen. Das Gemälde „Studiekop van een bebaarde man“ wurde für das Museum von der Stadt Löwen angekauft.
Das Gemälde war bisher eigentlich eher unbekannt und wurde aus einer privaten Sammlung heraus erworben. Michaelina Wautier wurde bisher in der belgischen Kunstwelt und auch darüber hinaus unterschätzt. Jetzt hilft auch die Stadt Löwen dabei, ihr Werk in den Fokus zu rücken und dabei zeigt sich, dass die Universitätsstadt das M dabei unterstützt, ein wichtiger Mitspieler in der flämischen bzw. belgischen Museumszene zu werden und zu bleiben.
Marjan Debaene, Leiterin des Bereichs „Alte Kunst“ im Museum M ist hocherfreut: „Das Werk von Michaelina Wautier ist sehr klein. Es sind nur knapp 40 Werke von ihr bekannt. Wir sind Katlijne Van der Stighelen denn auch sehr dankbar dafür, dass sie und auf diese Entdeckung kürzlich hingewiesen hat.“ Das Schaffen der Brüsseler Barockmalerin aus dem 17. Jahrhundert wurde 2018 im Museum am Strom (MAS) in Antwerpen zum ersten Mal in einer Werkschau gezeigt. Die Ausstellung „Michaelina Wautier and The Five Senses“ ist derzeit im Museum of Fine Arts in Boston (USA) zu sehen.
Das Gemälde
Die Studie zeigt einen älteren bärtigen Mann, der vor einem dunklen Hintergrund in die Höhe schaut. Der Aufbau des Bildes erinnert an die Porträts von Wautier der Heiligen Jozef und Joachim, die im Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen sind. Auffallend sind hier die wenigen weißen Pinselstriche, die das Hemd des Mannes etwas in den Vordergrund rücken. Hier zeigt sich das künstlerische und technische Talent der ewig unterschätzten Malerin. Ganz nebenbei: Früher wurde diese Studie Antoon Van Dyck zugeschrieben…
(Lesen Sie bitte unter dem Gemälde weiter)
Wer war Michaelina Wautier?
Jahrhunderte lang war sie ein von der Kunstgeschichte eher vergessener Geheimtipp. Die Künstlerin, die 1604 in Mons in der heutigen Provinz Hennegau zur Welt kam und 1689 in Brüssel verstarb, passte in ihrer Zeit in keine damals gültige künstlerische Schublade. In der Periode des Barock waren nur wenige Frauen in der Malerei aktiv und die meisten malten eher Stillleben oder Blumen. Michaelina Wautier aber bevorzugte große Bilder mit vielen Protagonisten oder starke Porträts.
Vielleicht war die in der Männerwelt des Barock um Rubens, Van Dyck oder Jordaens arbeitende Malerin seinerzeit zu gut, um wirklich Erfolg zu haben, wie die Kuratorin Katlijne Van der Stighelen vor einigen Jahren bemerkte: „Michaelina war zu gut, um von der Kunstgeschichte bemerkt zu werden. Sie spielte mit Licht wie Caravaggio und malte wie der damals schon beliebte Vermeer. Sie war nah an den Menschen, sie berührte, sie überstieg den Barock“.
Museum M, Leopold Vanderkelenstraat 28, 3000 Leuven, https://www.mleuven.be/
