Child Focus hat noch nie so viele Fälle von sexueller Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen im Internet bearbeitet wie im vergangenen Jahr. Auch die Zahl der von zu Hause weggelaufenen Minderjährigen ist 2022 im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel gestiegen. Das geht aus dem Jahresbericht der Stiftung hervor. "Wir sehen deutlich die Auswirkungen der Corona-Krise", sagt Stephan Smets von Child Focus.
Child Focus: Noch nie sind mehr Kinder ausgerissen, auch der sexuelle Missbrauch im Internet steigt alarmierend
Der Jahresbericht von Child Focus, die Stiftung für vermisste und sexuell ausgebeutete Kinder, ist kein Lichtblick. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die im letzten Jahr online sexuell missbraucht wurden, hat sich im Vergleich von vor der Corona-Krise verdoppelt. Auch die Zahl der Kinder, die von zu Hause weglaufen, war laut Child Focus noch nie so hoch wie im Jahr 2022.
Die Corona-Krise hinterlässt eindeutig ihre Spuren, heißt es in der Erklärung. "Die Kriminalität hat sich zunehmend in die virtuelle Welt verlagert", sagt Stephan Smets, Sprecher von Child Focus: "Auch Minderjährige verbringen seit der Pandemie immer mehr Zeit online, was sie anfälliger für sexuellen Missbrauch im Netz macht."
Andererseits haben die zwei Corona-Jahre die Jugendlichen auch psychisch getroffen. "Wir hören von den Jugendlichen selbst oder von ihren Eltern, dass sie immer mehr mit dunklen Gedanken kämpfen", so Smets weiter: "Die Tatsache, dass wir noch nie so viele Ausreißer hatten, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass es unseren Jugendlichen nicht gut geht."
Missbrauch von intimen Bildern
Insbesondere Sextortion, also sexuelle Erpressung, und Sexting (Weiterleitung intimer Bilder) sind erschreckend häufig geworden.
"Im Jahr 2022 hatten wir es mit 109 neuen Fällen zu tun, in denen jemand dazu gebracht wurde, Nacktbilder zu teilen und dann erpresst wurde", erklärte Smets: "In den Jahren vor der Corona-Krise waren es nur halb so viele."
Die Stiftung erhielt auch deutlich mehr Anrufe von jungen Menschen, deren intime Bilder ohne ihre Zustimmung verbreitet wurden. Child Focus hat im vergangenen Jahr 151 neue Akten angelegt.
