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Justiz

Prozess um Mord an ehemaliger Bürgermeisterin Ilse Uyttersprot: Angehörige wollen wissen, warum Partner sie getötet hat

In Gent hat der Prozess gegen Jurgen Demesmaeker begonnen, der vor fast drei Jahren Ilse Uyttersprot, die ehemalige Bürgermeisterin von Aalst, mit einem Hammer erschlagen hat. Die Anwälte der Hinterbliebenen wollen vor allem herausfinden, warum er sie damals tötete. 

Martina Luxen Belga
Veröffentlicht:

Die Gerichtsverhandlung hat am Freitag mit der Verlesung der Anklageschrift begonnen. Im Laufe des Tages wird der Angeklagte, der 52-jährige Jurgen Demesmaeker aus Aalst zum ersten Mal befragt. Die Anwälte der Angehörigen von Uyttersprot erhoffen sich dann Klarheit darüber, warum er Uyttersprot getötet und ob sie gelitten hat.   

Wer ist Ilse Uyttersprot?

Ilse Uyttersprot (CD&V) war von 2007 bis 2012 Bürgermeisterin von Aalst. Sie ist die Tochter von Raymond Uyttersprot, der selbst Bürgermeister von Aalst war. 

Sie studierte Jura an der Universität Gent und arbeitete anschließend mehrere Jahre als Anwältin. Außerdem arbeitete sie als Kabinettsassistentin des Staatssekretärs für Entwicklungszusammenarbeit, Reginald Moreels, und anschließend als Regionalsekretärin der Mittelstandsorganisation Unizo.  

Im Jahr 2012 wurde Christophe D'Haese (N-VA) ihr Nachfolger als Bürgermeister. Zum Zeitpunkt ihres Todes war sie noch Stadträtin, allerdings ohne Befugnisse.  

Sie war zum Zeitpunkt ihres Todes 53 Jahre alt und hinterlässt zwei Kinder aus einer früheren Ehe. 

Was ist vorgefallen?

Am Morgen des 4. August 2020 betritt Jurgen Demesmaeker die Polizeiwache in Aalst und sagt, dass er gerade seine Freundin umgebracht hat. Aufgrund von Demesmaekers Beschreibung begeben sich die Polizeibeamten zur Wohnung des Mannes und finden im Schlafzimmer den leblosen Körper der ermordeten ehemaligen Bürgermeisterin von Aalst, Ilse Uyttersprot. Sie hat eine große Wunde am Kopf. In der Badewanne des Badezimmers finden die Ermittler einen Klauenhammer.   

Demesmaeker hat am selben Morgen mehrere Aussagen gemacht. Er sagt, dass er und Uyttersprot seit Mai ein Paar seien. Er sagt auch mehrmals, dass er mit psychischen Problemen zu kämpfen und dass er in der Nacht zuvor einen Streit mit ihr gehabt habe. An diesem Morgen sei er durch den den Wecker von Uyttersprots Handy aufgewacht und habe Angst gehabt, dass alles wieder von vorne losgehe. Damit meinte er den Druck von Ilse Uyttersprot, etwas gegen seine psychischen Probleme zu unternehmen.   

Demesmaeker holte daraufhin einen Klauenhammer aus seiner Werkzeugkiste und schlug Uyttersprot sechsmal auf den Kopf. Erst als er das Licht im Schlafzimmer anmacht, sei er in Panik geraten und habe sich entschlossen, sich zu stellen. Zuvor wäscht er sich, putzt sich die Zähne und streicht Gel ins Haar.  

Außerdem erklärt Demesmaeker, dass sein Arzt ihm vor einiger Zeit ein Antidepressivum verschrieben habe, das er erst am Vortag eingenommen habe. Dies habe sich negativ auf ihn ausgewirkt und "seine negativen Gedanken noch mehr stimuliert".  

Wer ist der Täter?

Jürgen Demesmaeker ist 52 Jahre alt und kommt aus Aalst. Er war in der Werbung tätig, verlor diesen Job aber infolge der Corona-Krise. Diese Pandemie war auch mitverantwortlich für die finanziellen und psychischen Probleme, mit denen er zu kämpfen hatte, als er Ilse Uyttersprot kennenlernte. Ihre Beziehung war von Anfang an schwierig und verlief nach Aussagen von Freunden und Bekannten stürmisch.  

Nach Aussage mehrerer ehemaliger Partner war Desmesmaeker immer sehr einnehmend, fürsorglich und nett. Jemand, der eine Frau auf Händen getragen habe. Doch schon bald habe er ein anderes Gesicht gezeigt: Demesmaeker sei manipulativ, eifersüchtig, besitzergreifend und dominant gewesen, sagen Ex-Partnerinnen aus. 

In der Vergangenheit wurde er mehrfach wegen Stalking und Schlägen und Verletzungen seiner ehemaligen Partnerinnen verurteilt. Darüber hinaus wurden im Laufe der Jahre mehrere Anzeigen wegen innerfamiliärer Gewalt, Stalking und Drohungen gegen seine (Ex-)Partnerinnen erstattet.  

Welche Strafe droht Demesmaeker?

Die Staatsanwaltschaft klagt Jurgen Demesmaeker wegen vorsätzlicher Tötung an. Mit anderen Worten: Demesmaeker hat nicht aus einer Laune heraus gehandelt, sondern hat seine Tat vorher sorgfältig überlegt. Die Staatsanwaltschaft stützt sich dabei unter anderem auf die Aussagen eines Gerichtsmediziners, der in seinem Gutachten schrieb, dass die Schläge auf eine eher begrenzte Fläche erfolgt sind und der Täter genau sechs Mal zuschlug, nicht damit in Einklang zu bringen ist, dass ein Täter plötzlich "in impulsiver Wut auf sein Opfer losgeht".  

Auch für Anthony Mallego, Anwalt der beiden Söhne von Ilse Uyttersprot, ist dieser Vorsatz eindeutig gegeben: "Für uns ist klar: Es handelt sich um reinen Mord mit Vorsatz. Aber letztlich entscheiden die Geschworenen."

In der kommenden Woche müssen die Geschworenen entscheiden, ob Demesmaeker vorsätzlich gehandelt hat und somit des Mordes schuldig ist, oder ob er Uyttersprot aus einem Impuls heraus getötet hat. Bei Mord droht Demesmaeker eine lebenslange Freiheitsstrafe, bei Totschlag könnte er zu maximal 30 Jahren Gefängnis verurteilt werden.

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