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Gesundheit

Flanderns Sektor für mentale Gesundheit sucht nach Übersetzern bei Therapien von anderssprachigen Patienten

Der flämische Sektor für mentale Gesundheitspflege klopft bei der Landesregierung an, um finanzielle Unterstützung für den Einsatz von Übersetzern bei Therapien zu bekommen. Dies teilten das Zentrum für Geistige Gesundheitspflege Flämisch Brabant (CGG Vlaams Brabant) und die Flämische Vereinigung Klinischer Psychologen (VVKP) vor einigen Tagen in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. Die Unkosten für solche sogenannten „Sozialen Übersetzer“ seien hoch und viele Patienten könnten dies nicht bezahlen, heißt es dazu.

Andreas Kockartz
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Wie wichtig Übersetzer bei der Behandlung oder der Therapie von Patienten in Belgien, die aus anderen Ländern und Sprachkulturen kommen, zeigt der Fall einer Polin, die in Belgien eine Krebsdiagnose bekam. „Ich bekam in Belgien zu hören, dass ich Lungenkrebs habe“, erzählt Barbara Gluszek, eine Polin, die heute in Löwen in Flämisch-Brabant lebt. Sie kam vor einigen Jahren nach Belgien der Liebe wegen und arbeitet seit dem hier als Putzhilfe. Bereits in Polen hatte sie Brustkrebs überlebt: „Nach einer Brustamputation war das unter Kontrolle.“

„Wieder zu hören, dass ich Krebs habe, war sehr schwer. Überdies beherrschte ich die niederländische Sprache nicht sehr gut und das machte es besonders schwer, um die Ärzte zu verstehen und um zu begreifen, was alles mit mir passieren musste“, so Gluszek. Sie bekam Depressionen und ging zum Psychologen: „Es fühlte sich gut an, um endlich über meine Gefühle sprechen zu können und über das, was ich durchmachte in meiner eigenen Sprache. Das wurde durch einen Übersetzter möglich.“ 

Medizinische Entscheidungen besser nicht mit "Google Translate"

„Kommunikation mit Frau Gluszek wäre ohne einen Übersetzter nicht möglich gewesen“, sagte Maarten Leyssen, angehender behandelnder Psychiater beim CGG Flämisch-Brabant. Die Tatsache, sich gegenseitig zu verstehen, sei die Basis der Psychotherapie, so Leyssen gegenüber VRT NWS: „Überdies muss man als Psychiater manchmal wichtige Entscheidungen treffen. Wenn man dann mit ‚Google Translate‘ arbeiten muss, statt mit einem Übersetzer, können  große Missverständnisse entstehen.

Die Behörden würden davon ausgehen, dass sich anderssprachige Einwanderer und Neulinge schon durchschlagen würden, so Ayse Dogan, Psychologin an der CGG Flämisch-Brabant: „Bei einem psychischen oder einem medizinischen Problem sieht man, dass sie ihre neue Sprache no/ch nicht so richtig beherrschen.“ Manche würden dann ängstlich oder panisch, andere würden gestresst oder erbost reagieren: „Irgendwas stimmt nicht, aber sie können es nicht ausdrücken. Das führt zu Ratlosigkeit.“ 

Manchmal übersetzen die Kinder

Anne Roekens, die Direktorin der Einrichtung, pflichtet ihren Psychologen bei: „Wenn man den Leuten nicht in ihrer Sprache helfen kann, dann kann man beobachten, dass sie ihre Behandlung nicht selten aufgeben. Die Folge davon ist, dass die Gesellschaft danach noch höhere Kosten aufwenden muss.“

Oftmals ist es so, dass die Kinder von anderssprachigen Neuankömmlingen oder Einwanderern als Alternative ihre Kinder zum Übersetzen mitbringen, weil die ja in der Schule Niederländisch, die Amtssprache im belgischen Bundesland Flandern, lernen. Doch für CGG-Direktorin Roekens ist dies keine gute Situation und hat negative Auswirkungen auf das Privatleben: „Was kann dann nicht gesagt werden? Die therapeutische Verbindung ist dann nicht die gleiche, wie mit einem Übersetzer.“ 

Flandern stufte die Zuschüsse nach unten ab

Die Polin Barbara Gluszek konnte mit ihrem Gehalt als Putzfrau nicht für jeden Besuch beim Arzt oder Psychologen einen Übersetzer bezahlen und nahm die Dienste eines Übersetzers vom Sozialamt in Anspruch, doch gerade hier drückt der Schuh in dieser gesamten Frage. Im September 2019 korrigierte die flämische Landesregierung den Zuschuss für einen sozialen Übersetzer nach unten. Derzeit muss man dafür 48 € pro Stunde zahlen (ohne Fahrtkosten). Und dies wird zusätzlich zur Konsultation berechnet.

CGG-Direktorin Roekens spricht Klartext: „Das können viele Patienten nicht bezahlen, doch auch für die Zentren für geistige Gesundheit oder für die selbständigen Therapeuten sind diese Kosten nicht zu stemmen.“ Genau deshalb läuten das CGG Flämisch-Brabant und der Verband der Klinischen Psychologen jetzt die Alarmglocke: „Die Behörden müssen hier mehr Budget vorsehen. Derzeit können heimatlos gewordene Ukrainer sogar kostenlos auf soziale Übersetzer zurückgreifen. Das sollte für alle Patienten aus anderen Ländern möglich sein.“

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