Im AfricaMuseum in Tervueren (Flämisch-Brabant) ist kürzlich ein neuer Ausstellungsraum eingeweiht worden, der sich zentral mit dem Thema Rassismus auseinandersetzt. Die Besucher werden dort mit 11 Sätzen konfrontiert, die eine rassistische Botschaft beinhalten und mit einer ganzen Reihe von Meldungen und Schlagzeilen zu rassistischen Vorfällen in Belgien. In den kommenden Wochen und Monaten finden im Rahmen dieses Themas einige Aktivitäten statt, bei der auch die Rolle des AfricaMuseums in dieser Frage selbst kritisch betrachtet wird.
Das AfricaMuseum in Tervueren eröffnete einen Saal zum Thema Rassismus
Der Ausstellungsraum zum Thema Rassismus habe einen direkten Link zur kolonialen Vergangenheit des Museums selbst, so Salomé Ysebaert vom Ausstellungsgremium des AfricaMuseums gegenüber der Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ: „Das Museum ist nicht zuletzt im Rahmen der Weltausstellung 1897 entstanden, als König Leopold II. mit einer Ausstellung sein koloniales Projekt promoten wollte, indem er 267 Kongolesen nach Belgien bringen ließ, um diese in einem ‚menschlichen Zoo‘ zu zeigen.“
„1898 wurde diese befristete Ausstellung zu einem permanenten Museum umgeformt, dass zur koloniale Propaganda genutzt wurde“, so Ysebaert weiter: „Das sollte die Modernität der eigenen Nation mit der Primitivität im Rest der Welt vergleichen und es musste die Verdiente der kolonialen Projekte einem breiten Publikum zeigen und damit die Notwendigkeit der kolonialen Vorhaben rechtfertigen. Wissenschaftliche Untersuchungen wurden dabei als Instrument für koloniale Ziele verwendet.“
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Kritik von afrikanischer Seite her vor der Modernisierung 2018
Bis 2018 kam von Seiten von Afrikanern, die in Belgien leben, Kritik am Museum und seiner Präsentation. Die feste Ausstellung habe eine „eurozentrische“ Sicht auf Afrika und die Afrikaner hieß es dazu und diese Kritik wurde aus dem gesellschaftlichen Mittelfeld in unserem Land und aus dem Ausland durchaus unterstrichen, so Salomé Ysebaert weiter. Studien hätten zudem erwiesen, dass Rassismus gegen Menschen aus dem Sub-Sahara-Raum stark von einem historischen und kolonialen Kontext heraus entstand: „Die häufigste Kritik war, dass die Vorstellung Afrikas und der Afrikaner zu stereotypisch war und dadurch diskriminierend. Aus der kolonialen Vergangenheit heraus haben wir deshalb einen Raum geschaffen, der sich dem Rassismus widmet.“
Die Ausstellungskuratorin des AfricaMuseums erinnert daran, dass man durchaus Rassismus als eine Folge von Sklaverei und Kolonialismus bezeichnen könne: „Das AfricaMuseum hat als koloniale Einrichtung und als Propagandamittel an der Ermöglichung und der Verbreitung von rassistischen Stereotypen mitgearbeitet und trägt aus diesem Grunde eine Verantwortung, um seine Vergangenheit anzuerkennen, in dem sie ihr eine Plattform für Diskussion, Bildung und Reflektion zu Rassismus bietet.
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"Rassismus ist heute noch immer in unserer Gesellschaft vorhanden"
Rassismus sei heute noch immer in unserer Gesellschaft vorhanden und dies verlange, dass sein Museum auf Ebene von Bildung und Sensibilisierung eine Rolle spielen müsse, so der neue Museumsdirektor Bart Ouvry zu diesem besonderen Raum im AfricaMuseum gegenüber BRUZZ: „Dieser Raum befindet sich an einer Stelle, an der unsere Besucher vorbeikommen, weil er eine Botschaft trägt, die im Herzen unseres Auftrags steht. Wir wollen einige Werte vermitteln und an besseren Beziehungen zwischen Afrikanern und Europäern arbeiten. Die Botschaft gegen Rassismus ist eine universelle Botschaft. Ich bin davon überzeugt, dass wir dabei eine Rolle spielen können.“
„Wir wollen wirklich über unsere Vergangenheit und unsere Zukunft nachdenken,“ so Direktor Ouvry weiter: „Eine meiner Ambitionen ist, einen strukturierten Dialog mit den Leuten aus der afrikanischen Diaspora einzusetzen. Ich möchte auch wieder eine Gruppe der ‚Freunde des Museums‘ gründen, die per Definition sehr divers sein muss und die darüber reflektiert, was in der Gesellschaft lebt. Dieses Museum soll eine sichere Umgebung sein, in der jeder über die Verbindungen zwischen Afrika und Europa sprechen kann und wo wissenschaftliche Arbeit möglich ist.“
AfricaMuseum, Königliches Museum für Zentralafrika, Leuvensesteenweg 13, 3080 Tervuren, Belgien. Info: https://www.africamuseum.be/de
