Nach der Freilassung von Olivier Vandecasteele aus einem Gefängnis im Iran wenden sich auch andere Familien an Premierminister Alexander De Croo (Open VLD, Foto) und an die belgische Bundesregierung, bei denen Angehörige möglicherweise unschuldig in ausländischen Zellen sitzen. Darunter gehört auch Tanguy Tallers aus Brügge, der in Kambodscha eine lebenslange Haftstrafe absitzen muss. Hat sich Belgien mit dem Austausch Vandecasteeles gegen den iranischen Terroristen Assadolah Assadi einen Gefallen getan?
Neben Vandecasteele liegen weiter Vorfälle von Belgiern, die möglicherweise unverschuldet im Ausland in Haft sind, vor
Tanguy Tallers ist vor 4 Jahren in Kambodscha wegen Drogenschmuggels zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Jetzt erging ein Hilferuf von dessen Familie an die Regierung De Croo, sich nach dem Fall Vandecasteele auch ihrem Sohn zu widmen.
Tallers Familie sagt, dass die kambodschanische Justiz an ihm ein Exempel habe statuieren wollen und ihn deshalb wegen vermeintlichem Drogenschmuggel ins Gefängnis warf.
Die Haftbedingungen für ihren Sohn seien unzumutbar, so dessen Eltern. Das Auswärtige Amt in Brüssel ließ dazu wissen, dass man den Fall von Tanguy Tallers verfolge. Konkrete Angaben zum Verlauf der Dinge wurden allerdings nicht gemacht.
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Die Regierung verteidigt den Vandecasteele-Vorgang
Olivier Vandecasteele hatte 455 Tage in iranischer Haft verbracht und war wegen angeblicher Spionage zu langer Gefängnisstrafe und zu körperlicher Züchtigung verurteilt worden. Schon lange wurde gemutmaßt, dass der Belgier als Geisel zur Freipressung des iranischen Terroristen/Diplomaten aus belgischer Haft missbraucht wurde.
Dass Belgien den Belgier gegen Assadolah Assadi austauschte, wurde auch damit kritisiert, dass der ehemalige NGO-Mitarbeiter trotz Reisewarnung kurz in das Land zurückkehren wollte, in dem er einige Jahre lang gearbeitet hatte.
Bundesaußenminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) wies die Kritik der Opposition im Parlament zurück und gab zu verstehen, dass man unschuldig inhaftierte Landsleute nicht mit dem Argument im Stich lassen könne, sie hätten selber Schuld... Der Iran ist seit der Machtergreifung der Mullahs bekannt für seine "Geisel-Diplomatie"...
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Und Ahmadreza Djalali?
Ist nach dem „glücklichen Ende“ des Falles Vandecasteele für ihn und seine Familie jetzt das Schicksal des ebenfalls im Iran inhaftierten iranisch-schwedischen VUB-Gastprofessors Ahmadreza Djalali besiegelt? Djalali, der lange an der Freien Universität Brüssel Notfallmedizin doziert hat, wurde dort zunächst zu 20 Jahren Haft und später zum Tode verurteilt. Zunächst wurde davon ausgegangen, dass auch er gegen Assadi ausgetauscht werden soll.
Djalali wurde im April 2016 bei einem Heimatbesuch im Iran festgenommen und im Oktober 2017 zum Tode verurteilt, weil er dem israelischen Geheimdienst Mossad angeblich Informationen über zwei iranische Wissenschaftler weitergegeben haben soll. Die beiden Wissenschaftler wurden danach ermordet. Er soll zudem geheime Details zu Nuklear- und Verteidigungsprogrammen seines Landes westlichen Geheimdiensten zugespielt haben. Der VUB-Gastdozent hatte laut UN-Experten unter Zwang (Folter?) gestanden, die Informationen weitergegeben zu haben.
Gegen das Ende Oktober 2017 gefällte Todesurteil protestieren seitdem alle Hochschulen und Universitäten in Belgien, zahlreiche Persönlichkeiten weltweit - darunter einige Nobelpreisträger - sowie hochrangige belgische Bundes- sowie wallonische und flämische Landespolitiker. Auch die schwedische Regierung schaltete sich ein, denn Djalali hat neben der iranischen auch die schwedische Staatsangehörigkeit. Auch in Schweden laufen Prozesse gegen mutmaßliche iranische Terroristen.
