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Inland
Wirtschaft

Zu niedrige Zinsen? In Belgien "verdampfen" 50 Mio. € Spargeld pro Tag

Die Belgier sind bekanntermaßen eifrige Sparer. Rund 300 Mia. € sind derzeit auf Sparkonten gebunkert und hinzu kommen noch rund 100 Mia. € auf Sicht- oder Girokonten, die aber nichts einbringen. Allerdings bringt Sparen in Belgien auch kaum noch was ein, auch wenn die Zinsen wieder steigen. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Aktuell liegen die Zinsen, die die Banken in Belgien auf Sparkonten gewähren, bei durchschnittlich 1 % und die Inflation in unserem Land ist auf 5,6 % gesunken. Eigentlich sollten dies Bedingungen sein, mit denen man beim Sparen Geld verdienen könnte. Doch die Banken bewegen sich nicht und gewähren trotz Forderungen ihrer Kunden und der Politik keine höheren Zinsen.

Das bedeutet, dass auf diese Weise jährlich rund 18 Mia. € verloren gehen, bzw. nicht über Zinsen verdient werden können. Pro Tag „verdampfen“ so 50 Mio. € Spargeld in Belgien, rechnet die flämische Tageszeitung Het Nieuwsblad vor. 

Wer auf die Politik oder auf die Banken zählt, kann noch lange warten.“

Volkswirt Pascal Paepen in Het Nieuwsblad

Pascal Paepen, Volkswirt und Dozent für Banken und Börsen an der Thomas More/KU Leuven, rät angesichts der Tatsache, dass die Zinsen nur minimal steigen dazu, dass die Sparer selbst Initiative ergreifen. In Het Nieuwsblad sagt er: „Wer auf die Politik oder auf die Banken zählt, kann noch lange warten.“

„Die einzige Option, um die Inflation zu schlagen, ist, sein Geld langfristig an der Börse anzulegen“, so Paepen, der auch empfiehlt, den Großbanken in Belgien Lebewohl zu sagen und sich nach kleineren Geldinstituten oder nach zu Volksbanken oder kooperativen Banken umzusehen, die vielleicht höhere Zinsen anbieten. 

Jede Bank hat ein anderes Businessmodell und muss selbst eine eigene Risikoanalyse machen und einschätzen, welchen Sparzins sie anbieten kann.“

Reaktion des Bankenverbandes Febelfin auf möglichen politischen Druck

Bundesfinanzminister Peter Van Peteghem (CD&V) schickte Febelfin, dem Dachverband der belgischen Banken, letzte Woche noch ein Schreiben, in dem er auf den steigenden Druck in der Gesellschaft hinwies, die Sparzinsen zu erhöhen. Und Belgiens Staatssekretärin für Haushalt, Alexia Bertrand (Open VLD) unterstützte dieses Schreiben gegenüber VRT NWS am Wochenende, auch wenn die das Auferlegen eines Mindestzinssatzes eine „ultimative Waffe“ nannte.

Bei Febelfin reagierte man abweisend und verwies auf die wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit der einzelnen Banken: „Jede Bank hat ein anderes Businessmodell und muss selbst eine eigene Risikoanalyse machen und einschätzen, welchen Sparzins sie anbieten kann.“

Einseitig Zinserhöhungen vorschreiben?

Bei Febelfin heißt es auch dazu: „Ein undurchdachtes Eingreifen durch die Regierung in die delikaten Mechanismen der Refinanzierung der Banken kann die Stabilität des Sektors im Grunde antasten.“  

Dem pflichtete Koen Schoors, Professor für Wirtschaft an der UGent, gegenüber Het Nieuwsblad bei: „Natürlich muss es mehr Wettbewerb am Markt geben. Doch einseitig eine Zinserhöhung auferlegen ist keine gute Idee und kann mittelfristig Banken in Schwierigkeiten bringen.“ 

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