Die Flämische Gemeinschaft hat in dieser Woche wieder die jährlichen Kulturpreise, die Ultimas, vergeben. Auch dieses Jahr wurden wieder 12 Kunst- und Kulturschaffende, Gesellschaften oder Gruppen ausgezeichnet, die zu den besten Vertretern ihrer Zunft in Flandern gehören. Profis und Amateure gehören ebenso dazu, wie auch junge Nachwuchskünstler und erfahrene Vertreter aus Kunst und Kultur.
Von Popmusik über zeitgenössische Kunst bis hin zur "Last Post": Die flämischen Kulturpreise Ultima
Schon seit der vergangenen Woche ist bekannt, dass der Choreograph Sidi Larbi Cherkaoui den Ultima für allgemeine Kulturelle Verdienste bekommen hat (siehe nebenstehenden Beitrag). Jetzt wurden auch alle anderen diesjährigen Preisträger ausgezeichnet.
Dazu gehört die Brassband Willebroek, ein semiprofessionelles Orchester aus 35 Bläsern und Schlagwerkern, dass seit 1979 international auf höchstem Niveau spielt, Wettbewerbe gewinnt und Flandern immer wieder vorbildlich repräsentiert.
Den Ultima für Architektur und angewandte Kunst bekam die Architektin Marie-José Van Hee (Foto unten), die, so die Jury, „auf eine höchstkonsistente Art und Weise an einem Oeuvre aus Wohnungen, öffentlichem Raum und Kulturgebäuden arbeitet und die sich zu einem Beispiel für junge Designer entwickelt hat.“
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Den flämischen Kulturpreis für bildende Kunst bekam dieses Jahr Ann Veronica Janssens die in erster Linie mit den Elementen Licht und Raum arbeitet. Janssens stellt international aus und vertrat Belgien bereits bei der Biennale von Venedig. Die Jury: „Sie schenkt und Bilder, die wir noch nicht gesehen haben und provoziert Erfahrungen, die wir noch nicht erlebten. Das Sublime ist nie weit weg.“
Den Ultima für Zirkus bekommt die ADM-VZW-Zirkusvereinigung von Jesse Huygh, der an Mukoviszidose leidet. Huygh sei „ein wahrer Meister der Zirkustechnik am chinesischen Mast“, so die Jury zu dessen Auswahl. Und er sei ein Vorbild für alle, die an irgendeiner Krankheit leiden und trotzdem aktiv sind: „Er wiedersetzt sich der Schwerkraft und dies als Metapher für den Kampf gegen eine Krankheit oder gegen gleich etwas, dass das Leben erschweren kann.“
Alex Verhaest bekommt den diesjährigen Ultima für digitale Kunst. Diese junge flämische Künstlerin überzeugt mit digitalen und interaktiven Totalinstallationen und schafft damit „innovative Formen von Storytelling und sie wendet eine nur ihr eigene visuelle Ästhetik an.“
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Angelo Thijssens wird im Bereich Film und visuelle Medien ausgezeichnet. Thijssens schreibt vor allem Romane und die Szenarien für eigenen Kurzfilme, doch er arbeitete auch als Co-Autor mit an den Drehbüchern für die beiden Filme „Close“ und „Girl“ des flämischen Regisseurs Lukas Dhont.
Literatur: Hier bekommt die Autorin, Illustratorin, Dichterin und Performance-Künstlerin Joke van Leeuwen (Foto oben) den Ultima: „Joke van Leeuwen fordert wie keine andere die Leser dazu heraus, sich mit der Wirklichkeit auseinanderzusetzen. Und sie tut dies auf eine lustige, rührende und kritische Art und Weise, wobei sie jedes Mal wieder neue Wege findet, sich in Wort und Bild zu erneuern.“
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Musik: Das Elektropop-Duo Charlotte Adigéry & Bolis Pupul überzeugte mit seiner ersten Platte „Tropical Dancer“ schon auf dutzenden Festivals im In- und Ausland. Die Ultima-Jury ist ebenfalls begeistert: „Die beiden machen hypertanzbaren und gesellschaftskritischen stilvollen Elektropop voller Absurditäten, Fun und Verweisen in die Popkultur. Gleichzeitig kommen textuell auch aktuelle Themen, wie Rassismus, Xenophobie, Misogynie und die Rolle der sozialen Medien vor. Dieses Album ist besonders gelungen und sorgte für einen künstlerisch hochstehenden Erfolg, der international den Durchbruch geschafft hat.“
Ultima für Bühnenkünste: Hier wurde die Theatergruppe Studio Orka ausgezeichnet, die sich leider letztes Jahr aufgelöst hat. Diese Truppe bekam in der Vergangenheit bereits Preise in den Bereichen Kinder- und Jugendtheater. Für die Jury war Studio Orka „ein Bad der Wärme in schwierigen Zeiten, eine notwendige Verbindung zwischen dem Menschen und den verschiedenen sozialen Klassen. Studio Orka hat wie kaum ein anderer das flämische Theatergedächtnis gefärbt und mit unvergesslichen Momenten gefüllt.“
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Der Ultima für immaterielles Kulturerbe geht an die Signalhornspieler, die in Ypern unter den Menentor jeden Abend die „Last Post“ zu Ehren der Gefallen und der Vermissten des Ersten Weltkriegs spielen (Foto oben). Täglich würden sich die Clairon-Spieler ehrenamtlich dafür einsetzen, dass die „Last Post“ bestehen bleibt, denn sie ist ein bedeutendes Ritual mit einer universellen Friedensbotschaft: „Das ist Kulturerbe, dass sich in einem Denkmal für Tote abspielt, doch es wird weitergegeben und von einer breiten Kulturerbe-Gemeinschaft getragen. Es wird praktisch durch Generationen von lebenden Menschen ‚weitergeblasen‘, jeden Tag aufs Neue. Ihr Engagement, schon fast 100 Jahre lang, verdient denn auch alle Ehre.“
Ultima für sozio-kulturelle Erwachsenenbildung. Preisträger ist hier die Vereinigung Sankaa, eine Gesellschaft mit afrikanischen Wurzeln, die durch Erzählungen und mit Gesprächen Erfahrungen mit Rassismus und Ausschluss weitergeben, denen sich Menschen mit Migrationshintergrund ausgesetzt sehen. Dazu heißt es von Seiten der Jury: „Mit dem Rapport ‚Rassismus entwirren‘ machte Sankaa Erfahrungen mit Rassismus gegen Menschen aus der afrikanischen Diaspora begreifbar und dies mit Mitteln, die Zahlen nicht vermitteln können.“
Publikumspreis: Dieser Ultima ging dieses Jahr an das Musical „Vergeet Barbara“ („Vergesst Barbara“) von Studio 100. Dieses Musical ehrt das Werk des flämischen Schlagersängers und Unterhaltungskünstlers Will Tura.

