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Brüssel-Schaarbeek

Brüssel wurde im flämischen Canon nicht vergessen - Eigener Canon gewünscht?

Im flämischen Canon, den 60 wichtigsten Eckpunkten der Geschichte, ist Brüssel nicht untergegangen. Die heutige belgische und europäische Hauptstadt war früher einmal eine Stadt, in der fast nur Niederländisch gesprochen wurde. Aus diesem Grunde und aufgrund der Tatsache, dass Brüssel später auch die burgundische Hauptstadt war, kommt sie auch im flämischen Canon recht häufig vor. Inzwischen aber kann man sich auch vorstellen, einen Brüsseler Canon zusammenzustellen. Ideen machen schon die Runde…

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Im flämischen Canon, der seit einigen Tagen online und in Buchform zu finden ist, wird z.B. vom längst fast verschwundenen Beginenhof in Brüssel erzählt und auch vom niedergeschlagenen Aufstand der Handwerker im Jahr 1306. Auch die großen burgundischen Gelage und Zeremonien im abgebrannten Coudenberg-Palast kommen hier zur Sprache. 

Eine Geschichte, an die hier erinnert wird, ist das Bombardement auf Brüssel (Illustration unten) zwischen dem 13. und dem 15. August 1695, als die Franzosen die Hauptstadt mit ihren Kanonen und Geschützen angriff. Dies war der verheerendste Angriff auf Brüssel in der gesamten Geschichte der Stadt. Dieser Angriff galt einzig und alleine der Bevölkerung der Stadt, denn militärisch hatte er keinen Sinn. Die Zahl der Opfer hielt sich noch in Grenzen, doch wesentliche Teile der damaligen Unterstadt wurden dabei in Schutt und Asche gelegt. Tausende Häuser gingen in Flammen auf und auch viele architektonische Werte und Kunstschätze gingen damals verloren.

Der Große Markt

Nach diesem Bombardement entstanden Diskussionen darüber, die man Brüssel wieder aufbauen sollte. Die Stadtverwaltung und die meisten Bürger wollten, dass die Umgebung des Großen Marktes in seinem ursprünglichen Zustand wieder entstehen sollte. Doch der Landvogt der Spanischen Niederlande sah das anders und schlug ein Stadtzentrum mit „königlichen Allüren“ vor - gerade Straßen, großflächige Anlagen und sich ähnelnde klassische Hausfassaden. Der Große Markt in Brüssel, wohl einer der schönsten Plätze in Europa, ist denn auch ein Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Sichtweisen damals.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Die Bombardierung Brüssels

Der Brabanter Umsturz kommt auch im flämischen Canon vor. Dabei reagierten die konservativen Katholiken auf die Reformen von Josef II. 1789 zogen sie mit großem Triumpf in Brüssel ein, um nur knapp drei Jahre danach wieder den Kürzeren zu ziehen. Zunächst gegen den Bruder von Josef II. und danach… gegen die Franzosen.

Brüssel findet auch den Weg in den flämischen Canon als zentraler Ort bei der belgischen Unabhängigkeit. Die Kongresssäule in Brüssel wurde zu Ehren des National-Kongresses und des Grundgesetzes errichtet. Die vier allegorischen Figuren am Fuß der Säule zeigen die Versammlungsfreiheit, die Pressefreiheit, die Freiheit der Bildung und die Religionsfreiheit. Diese vier Freiheiten finden sich übrigens als Straßennahmen im sogenannten „Freiheitsviertel“ wieder, ein Viertel unweit einiger Regierungsinstanzen, des Konzertsaals „Königlicher Zirkus“ und dem Madou-Platz.

Keine gemeinsame Sache mit den Nazis

Die Autoren des flämischen Kanons zollen auch den Bürgermeistern der verschiedenen Brüsseler Gemeinden ihren Respekt, die sich während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg geweigert hatten, Judensterne auszuteilen und Razzien gegen jüdische Bürger zu organisieren.

Erwähnt werden auch das historische Funkhaus am Flagey, dass eine Pionierrolle in Sachen Radio eingenommen hat und der Chansonnier Jacques Brel, der eigentlich zu Flandern ein eher ambivalentes Verhältnis hatte. Doch einige seiner Lieder gehören wohl unerlässlich zum musikalischen Kulturerbe auch im niederländischsprachigen Landesteil Belgiens.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Jacques Brel

Abgerundet wird der Brüsseler Teil im flämischen Canon mit Suzan Daniel. Sie gründete 1950 in der belgischen Hauptstadt die erste Vereinigung für Schwule und Lesben und war damit die erste Frau in Europa, die hier eine so prominente Rolle übernahm. Inzwischen wurde eine Brücke über dem Brüsseler Kanal nach ihr benannt.

Brüssels/Brüsseler Diversität

Erwähnt wird aber auch die Brüsseler Diversität, denn die belgische Hauptstadt ist eine Vielvölkerstadt und dies nicht nur durch die zahllosen EU-Expats, sondern auch und gerade durch die vielen Einwanderer aus aller Herren Länder.

Inzwischen können sich viele Brüsseler auch vorstellen, dass es in dieser Stadt zu einem eigenen Canon kommen soll. Umfragen durch die Brüsseler Nachrichtenplattform ergaben viele spontane Vorschläge. Darunter war der Sänger und Rockbarde Arno, zwar in Ostende geboren und aufgewachsen, doch in Brüssel zu Hause. Oft genannt wurde auch mit einem verschmitzten Lächeln das „Brüsseler Chaos“ und der „Maifisch“, eine Brüsseler Spezialität mit viel Geschmack und vielen Gräten, eben typisch Brüssel… 

Vielvölkerstadt Brüssel

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